Sinnvoller Start der Karwoche

10.04.2017 • 17:09 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Der Domchor präsentierte sich unter Benjamin Lack als ein selbstbewusster vokaler Klangkörper. Foto: JU
Der Domchor präsentierte sich unter Benjamin Lack als ein selbstbewusster vokaler Klangkörper. Foto: JU

Der Feldkircher Domchor holte Haydns „Stabat Mater“ aus der Vergessenheit.

FELDKIRCH. Seit 2013 tritt der Domchor unter Domkapellmeister Benjamin Lack als musikalischem Leiter und Obfrau Barbara Offner in regelmäßigen Abständen mit großen geistlichen Werken aus der Anonymität der Empore ins weite Blickfeld des Altarraumes. Diese Konzerte haben sich im reichhaltigen Angebot der Dommusik längst zu einem beliebten Fixpunkt entwickelt, wie Zustrom und Zuspruch am Abend des Palmsonntags erneut zeigten.

Als „sinnvollen Auftakt zur Karwoche“ bezeichnet Dompfarrer Rudolf Bischof zu Beginn die Aufführung von Joseph Haydns „Stabat Mater“. In der Tat bildet die 1767 entstandene Vertonung der mittelalterlichen Marienklage der Muttergottes unter dem Kreuz, die Haydns Ruf als führender Vokalkomponist seiner Zeit begründete, eine ideale Vorgabe zur religiösen Erbauung in diesen Tagen. Darüber hinaus fasziniert den Musikfreund die Begegnung mit einem heute praktisch vergessenen Werk, das man zuletzt vor zwölf Jahren in Rankweil gehört hat und das in kaum einem Chorführer aufscheint. Nicht zuletzt weil dieses so reichhaltig in Chören, Arien und Ensembles ausgeführte einstündige „Stabat Mater“ fast wie ein Oratorium Haydns kompositorische Meisterschaft auf der beginnenden Höhe seines Schaffens zeigt.

Lebensbejahende Deutung

So kommt diese Aufführung quasi einer Neueinstudierung für den Domchor gleich, der an der großen Aufgabe gewachsen ist und sich mit 43 Mitgliedern inklusive Aushilfen und doppelt so vielen Männer- wie Frauenstimmen wortdeutlich und von großer Einheitlichkeit präsentiert, als ein selbstbewusster vokaler Klangkörper. Unter Lacks sicherem, sprechenden Dirigat entsteht so eine tief verinnerlichte, bei aller Trauer im Glauben verwurzelte und dennoch diesseitige, lebensbejahende Deutung auch in feiner Abstimmung mit dem mit 17 Musikern relativ klein besetzten Orchester der Dommusik. Das heimische Solistenquartett wird stark gefordert, Haydn stellt nicht unerhebliche Ansprüche an Koloraturgeläufigkeit, Tonumfang und Leichtigkeit der Bewegung. Birgit Plankel mit ihrer schlanken, sicheren Höhe und lyrischem Ausdruck, Veronika Dünser mit ihrem schön ausgereiften, sinnlich klingenden Mezzo, und die beiden Herren Stefan Gisinger, Tenor, und Johannes Schwendinger, Bass, zeigen sich diesen Anforderungen individuell gewachsen. Die G-Dur-Schlussfuge „Paradisi gloria“ als Ausdruck der Hoffnung auf Auferstehung wird für das begeisterte Auditorium wiederholt.

Nächste Aufführung im Dom St. Nikolaus, Feldkirch: 13. April, 20 Uhr, Messa a quattro voci da capella von Claudio Monteverdi (Capella St. Nikolaus, Leitung Benjamin Lack)