Zwei, die rasch ziemlich beste Freunde geworden sind

Kultur / 10.04.2017 • 17:09 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Piccolo-Solist Raphael Leone gab dem Stadtorchester Feldkirch unter Murat Üstün neuen Auftrieb.

FELDKIRCH. (JU) Es ist so etwas wie ein Quantensprung in der langjährigen Tradition des Stadtorchesters. Mit dem ehemaligen Symphoniker-Flötisten Raphael Leone wurde nicht nur ein hervorragender Konzertsolist verpflichtet, sondern auch eine Vaterfigur, die sich rührend um die Musiker kümmert und ihnen dank seiner internationalen Kontakte als Kurator erstmals in ihrer 175-jährigen Geschichte eine Italien-Tournee mit Konzerten in der Karwoche in Cremona und im Tessin ermöglicht.

So war das wie immer familiäre Frühlingskonzert am späten Sonntagnachmittag im Pförtnerhaus denn auch so etwas wie eine vollwertige Generalprobe für die große Reise.

Mit viel Jugend

Trotz des Traumwetters erscheint dazu zahlreich auch die treue Gefolgschaft des leidenschaftlich agierenden Amateurorchesters, das aus viel Jugend mit Musikschülern und Studenten, aber auch einigen betagteren Semestern besteht. Zusammen sind das immerhin 48 Musiker, die zum Finale mit Teilen aus Schostakowitschs Filmmusik zu „The Gadfly“ geschlossen aufspielen, mit trauter Klarinettenseligkeit in der Introduktion, einem temperamentgeladenen Galopp und einem Finale, in dem klanglich die letzten Reserven mobilisiert werden. Der türkischstämmige Komponist Murat Üstün, der hier seit sechs Jahren am Pult steht, hat mit viel pädagogischem Feingefühl auch diesmal wieder seriöse Arbeit geleistet und führt sicher und ambitioniert durch ein Programm, das dem Publikum gefällt und dem seit dem letzten Jahr merkbar gestiegenen Niveau der Musiker entspricht.

Spannender Monolog

Diese Verbundenheit spürt man schon im einleitenden Mozart-Divertimento der Streicher, wenn auch hier noch etwas an der Sauberkeit gearbeitet werden sollte.

Raphael Leone präsentiert sich in einem von ihm umgearbeiteten Oboenkonzert des deutschen Klassikers Lebrun als unglaublich virtuoser Solist an der Piccoloflöte, für deren Aufwertung er auch in Hochschulkreisen kämpft, und tritt mit dem Orchester in einen spannenden Dialog. Leone, der in Hard wohnt, hat interimistisch am Vorarlberger Landeskonservatorium auch die Flötenklasse des verstorbenen Eugen Bertel übernommen.

Eine besondere Einlage ist dann noch das von Murat Üstün im Vorjahr komponierte Stück „Es sei so“, das von Leone an Bass- und Piccoloflöte, dem zum sehr sicheren und selbstbewussten Hornisten herangereiften Dirigentensohn Marcel Üstün und Aydin Balli an der türkischen Saz eindrucksvoll gespielt wurde. Es ist, wie Murat Üstün erläutert, Ausdruck seiner Ratlosigkeit angesichts der zunehmend bedrohlichen Situation unserer Welt; Musik an der Schnittstelle der Kulturen.

Das Feldkircher Stadtorchester unter Murat Üstün und der Piccolo-Solist Raphael Leone. Fotos: Jurmann
Das Feldkircher Stadtorchester unter Murat Üstün und der Piccolo-Solist Raphael Leone. Fotos: Jurmann