Musiktipps. Von Fritz Jurmann

20.02.2017 • 19:48 Uhr / 5 Minuten Lesezeit

KÜNSTLER: Symphonieorchester Vorarlberg / Slowakische Philharmonie

ALBUM: Richard Dünser: Violinkonzert, Radek-Sinfonie

LABEL/VERTRIEB: VMS/Zappel Music

Alfred Wopmann war als Festspielintendant in Bregenz bis 2003 bekanntlich ein überzeugter Förderer des aktuellen heimischen Musikschaffens. So bot er Georg Friedrich Haas die Plattform für zwei Kammeropern und gab dem Bregenzer Richard Dünser den Auftrag zu seinem ersten Violinkonzert.

Dem in der Alban-Berg-Nachfolge verwurzelten, tief poetischen Werk von 1993 entlockt der Geiger Benjamin Schmid mit dem SOV unter Gérard Korsten in diesem ORF-Mitschnitt, einer Folgeaufführung von 2007, die herbstliche Leuchtkraft einer raffiniert geschärften Tonsprache, die der Spätromantiker Dünser in zerbrechlicher Schönheit in unsere Zeit gerettet hat. Seine „Radek-Sinfonie“, aufregend gespielt von der Slowakischen Philharmonie unter Ernest Hoetzl, hat als Extrakt aus Dünsers 2006 in Bregenz uraufgeführter dramatischer Kammeroper um das tragische Schicksal dieses Revolutionärs ein viel beachtetes Eigenleben entwickelt.

 

KÜNSTLER: Sebastian Manz, Klarinette

ALBUM: Carl Maria von Weber: Das Gesamtwerk für Klarinette

LABEL: BERLIN Classics/SWR 2 (2 CDs)

Das dritte Abokonzert des SOV vor Kurzem war neben dem charismatischen Dirigenten Kevin John Edusei geprägt von dem erstmals hier tätigen deutschen Klarinettisten Sebastian Manz (31) mit seinem hinreißenden Spiel. Diese Brillanz an Rhetorik und Farben lässt sich auch auf seiner aktuellen Doppel-CD nachverfolgen, auf der er das Gesamtwerk Carl Maria von Webers für Klarinette eingespielt hat. Neben dem damals aufgeführten f-Moll-Konzert Nr. 1 findet sich hier auch das zweite in Es-Dur, beide mit „seinem“ Radio­sinfonieorchester Stuttgart, dem der zweifache „Echo-Klassik“-Preisträger seit 2010 als Soloklarinettist angehört, dazu hochklassige Kammermusik, mit der Weber das Repertoire für die romantische Klarinette entscheidend geprägt hat. Manz wird mit dieser Produktion, für die er eigene Werkfassungen erstellt hat, zum begeisterten Verfechter für diesen Komponisten, der ihn von Jugend an geprägt hat.

 

KÜNSTLER: Peter Vogel und sein Quintett

ALBUM: Wings

LABEL: birdmusic

Diese Produktion entstand bei Wolfgang Lackerschmid in Augsburg zusammen mit prominenten Musikerfreunden just zu einer Zeit, als der Lindauer Musiker Peter Vogel (53) sich anschickte, als einer der wichtigsten Konzertveranstalter im Bodenseeraum die letzten Bastionen, wie die neue Konzerthalle von St. Christoph, zu erobern. Da blieb nun ein Jahr lang plötzlich keine Zeit mehr zum Abhören und Fertigstellen. Trotzdem kommt der Jazz auf der CD „Wings“ nun federleicht daher, dabei musikalisch interessant vertieft und stilistisch von Bop bis Satie weit gefächert. Und beweist, dass Vogel trotz seines neuen Jobs stets der Urmusiker geblieben ist, der sich auch gern in seiner eigenen fantasievollen Klangwelt mitteilt. Das sind Ideen von Kinderszenen, Klassik-Anklänge als seine ureigenste Profession und intensive Balladen für seine Sängerin Alexandrina Simeon. CD-Präsentation: 10. März, Lindau, Forum am See.

 

KÜNSTLER: Christof Waibel, Piano

ALBUM: Blue Dream

LABEL: LoEnd Records

Er hat den Blues, der Lustenauer Christof Waibel (44), der sein Tastentalent vom großen Peter Madsen perfektionieren ließ. Es folgten Wanderjahre als Keyboarder auch eigener Bands im In- und Ausland, als Barpianist am Arlberg und auf Europa-Tour mit dem Gitarristen Marc Stone. Inzwischen unterrichtet Waibel seit 2002 selber am Lustenauer Jazzseminar. Nach zwei Einspielungen mit Ensemble legt er nun seine erste Solo-CD vor, „Christof pur“ quasi. Und da ist auch drin, was draufsteht. Blues dominiert in selbstgestrickten Nummern, denen er eine große Portion Feeling mit auf den Weg gibt, sie aber auch geschickt mit persönlich gefärbten Klassikern wie dem „Basin Street Blues“ mischt. Und alles an einem leicht verstimmten Steinway zum Besten gibt, was nicht ohne Reiz ist und dieser Musik etwas von der Atmosphäre einer schummrigen Bar verleiht. CD-Präsentation: 25. Februar, Lustenau, Reichshofsaal.