Perfekt auf menschliche Art

Kultur / 14.04.2017 • 22:28 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Kirill Petrenko am Freitagvormittag bei den Proben mit dem Symphonieorchester Vorarlberg in Götzis. Foto: VN/Steurer
Kirill Petrenko am Freitagvormittag bei den Proben mit dem Symphonieorchester Vorarlberg in Götzis. Foto: VN/Steurer

Maestro Kirill Petrenko setzt den Mahler-Zyklus in Vorarlberg nun Jahr für Jahr fort.

Christa Dietrich

Götzis. Trompeter Stefan Dünser spricht von Magie und ist derart optimistisch, dass er davon ausgeht, dass Kirill Petrenko, der ab 2018 Chefdirigent der Berliner Philharmoniker ist, auch dann immer wieder einmal für Auftritte nach Vorarlberg kommt, wenn der vor einigen Jahren begonnene Mahler-Zyklus beendet ist. Dünser, selbst unter anderem Mitglied des Ensembles „Die Schurken“ oder „Sonus Brass“, mit dem er bei Festivals in Luzern, im Wiener Konzerthaus, in Luxemburg oder bei den Bregenzer Festspielen gastiert, hat mit Kirill Petrenko (geb. 1972 in Omsk), der 1990 mit seinen Musikereltern nach Österreich kam, studiert.

Er erinnert sich an Vorspielstunden an der Trompete mit Petrenko am Klavier und spricht aus, was auch einmal gesagt werden müsse. Musiker und ehemalige Weggefährten empfinden es nämlich als große Ehre, mit Kirill Petrenko spielen zu dürfen, einer Person, in der sich, wie es Dünser erklärt, absoluter Perfektionismus mit großer Menschlichkeit vereint.

Start vor neun Jahren

Als das Symphonieorchester Vorarlberg (damals noch unter Geschäftsführer Michael Löbl) im Jahr 2008 ankündigte, einen Mahler-Zyklus realisieren zu wollen, also alle neun Symphonien von Gustav Mahler aufzuführen, war Petrenko zwar schon enorm erfolgreich unterwegs und mehrfach ausgezeichnet, dass er einmal so begehrt sein würde wie heute und eine der wichtigsten Aufgaben im Klassik-Bereich übernimmt, war allerdings noch nicht zu erahnen. 2013 kam jedenfalls der „Ring“ in Bayreuth, als Generalmusikdirektor an der Bayerischen Staatsoper dirigiert er Uraufführungen und Neuinszenierungen und mit den Berliner Philharmonikern hat ihn eines der renommiertesten Orchester der Welt zum Chefdirigenten gewählt. Vor Kurzem fand das erste gemeinsame Konzert statt. Kritiker und Musiker berichteten überschwenglich, Petrenko ist seinem Vorhaben treu geblieben, Interviews gibt er nicht mehr. Für Probenberichte vor den aktuellen Aufführungen in Vorarlberg hatten sich große deutsche Fernsehsender angemeldet, denen der neue SOV-Geschäftsführer Thomas Heißbauer absagte, ein kurzer Fototermin wurde den VN gewährt, Petrenko agierte hochprofessionell und sehr freundlich, auch diesbezüglich ein Maestro.

Nun Jahr für Jahr

Am Sonntag und Montag steht somit die 5. Symphonie, die wohl populärste, auf dem Programm. Gemeinsam mit dem Bariton Daniel Schmutzhard gelangen zudem die „Lieder eines fahrenden Gesellen“ zur Aufführung. Die 6. Symphonie hatte Petrenko bereits vorgezogen, somit stehen noch drei aus. Im Gespräch mit den VN konnte Thomas Heißbauer ankündigen, dass es nicht mehr so lange Pausen zwischen den Werken gibt, dass man die drei Werke nun Jahr für Jahr umsetzen kann. Trotz seiner vielen Verpflichtungen konnte der Dirigent zusagen. Mahler, und vor allem auch die Fünfte, verlangt nach einem großen Klangkörper. Die Musiker zu buchen, die beim Orchester ja nicht fix angestellt sind, war begreiflicherweise dieses Mal nicht besonders schwer. Gestern musste noch ein Vertreter für einen erkrankten Posaunisten gefunden werden, aber auch da gab es sofort eine Zusage. Das Symphonieorchester Vorarlberg hat einen Pool von 120 Musikern. Da die Kooperation mit den Konstanzer Kollegen, die man für Mahler über eine EU-Schiene geknüpft hatte, mittlerweile ausgelaufen ist, ist sozusagen wieder viel Stammpersonal dabei. Dazu zählt auch der Trompeter Bernhard Lampert, der von einer beeindruckenden Detailgenauigkeit bei den Proben erzählt und zwar mit einem Satz, den man quasi von jedem Musiker hört: „Er hört einfach alles, er weiß genau, was er will und verfolgt das absolut konsequent, aber in derart guter Stimmung, dass jeder erpicht darauf ist, das Bestmögliche zu geben.“

Der Klarinettist Alex Ladstätter hatte mit Petrenko bereits bei einem Konzert der Bregenzer Festspiele gearbeitet, ist aber nun zum ersten Mal für eine Mahler-Aufführung im Orchester. „Die Proben sind phänomenal, er holt das Maximum raus und arbeitet, bis das Klangbild exakt seinen Vorstellungen entspricht.“ Diese Erfahrung empfindet Ladstätter als besondere Bereicherung. Der Vorarlberger ist nach einigen Engagements freischaffend tätig, spielt in Ensembles, war aber bereits bei den Wiener Philharmonikern und ist jüngst bei einem Konzert der Berliner Philharmoniker, also Petrenkos neuem Orchester, eingesprungen.

Apropos Bayerische Staatsoper: Am 21. Mai dirigiert Kirill Petrenko in München die Premiere von Wagners „Tannhäuser“ mit Klaus Florian Vogt in der Titelrolle und Christian Gerhaher als Wolfram.

Petrenko arbeitet akribisch und nachhaltig, das habe ich in dieser Klarheit selten erlebt.

Stefan Dünser

Die Konzerte finden am 16. und 17. April in Feldkirch und Bregenz statt und sind ausverkauft. Für die geöffnete Generalprobe am 15. April, 14 Uhr, in Götzis AmBach gibt es noch wenige Restkarten.