Sehr informativ erzählt

14.04.2017 • 15:55 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Alex Beer, alias Daniela Larcher, siedelt ihren neuen Roman in Wien um 1919 an. Foto: APA
Alex Beer, alias Daniela Larcher, siedelt ihren neuen Roman in Wien um 1919 an. Foto: APA

Alex Beer zeigt mit „Der zweite Reiter“, dass die alte Zeit nicht immer eine gute war.

Roman. Früher war alles besser, wird gerne geraunzt. Alex Beer (39), eine Vorarlberger Autorin, die früher unter ihrem bürgerlichen Namen Daniela Larcher publizierte, und  mittlerweile in Wien lebt, zeigt mit dem Krimi „Der zweite Reiter“ aber, dass die alte Zeit nicht immer eine gute war. So ist der erste Fall ihres Inspektors August Emmerich im Wien nach dem Ersten Weltkrieg angesiedelt. „Es war mein erklärter Wunsch, das Buch düster zu machen, weg vom typischen Lokalkolorit-Regio-Krimi“, sagte die Autorin. Im Jahr 1919 waren die Folgen des Krieges  allgegenwärtig, Menschen hielten sich mit entwürdigenden Tätigkeiten mehr schlecht als recht über Wasser, der Schleichhandel blühte. Vor diesem Hintergrund siedelt Beer eine Mordserie an, die Emmerich, ein ungewöhnlicher wie eigenwilliger Polizist, heroinsüchtig und mit familiären Problemen, zu lösen versucht.

Das Interesse an der Ersten Republik sei die Initialzündung gewesen. „Beim zeitgenössischen Krimi hat man irgendwann alle Motive schon gehabt. Die Geschichte nach dem Ersten Weltkrieg anzusiedeln, hat mir erlaubt, etwas ganz anderes zu machen, aber doch plausibel zu bleiben.“ Morbide und düster ist die Atmosphäre in „Der zweite Reiter“. Der große politische und gesellschaftliche Umbruch nach dem verlorenen Krieg prägt die solide erzählte, spannende wie informative Geschichte.

Viel Österreichisches

Auch wenn sie „kein Sachbuch, sondern einen Kriminalroman“ verfasst hat, wie die Autorin betonte, ging es ihr um Authentizität. „Ich bin quasi in die Nationalbibliothek gezogen. Es gab ja nichts, an das ich mich anlehnen konnte. Ich habe mich daher durch Zeitungen und Bücher aus der damaligen Zeit gelesen. Max Winter mit seinen Sozialreportagen war sehr hilfreich. Die Recherchen haben extrem viel Zeit gefressen, besonders auch die Kleinigkeiten. Ich habe etwa tagelang recherchiert, wie das mit dem Klopapier damals war.“ Der Roman überrascht in Zeiten des omnipräsenten Bundesdeutschen mit viel „Österreichisch“. Das sei eine „Gratwanderung“ gewesen. „Der Verlag wollte ausdrücklich diese schrulligen alten Wiener Wörter, weil sie die Zeit besser zum Leben erwecken. Die klassischen Wörter musste ich dagegen austauschen – also Stiege gegen Treppe oder Sessel gegen Stuhl. Ich bin mit der Mischung ganz zufrieden ausgestiegen.“ Bleibt nur noch zu hinterfragen, wie das mit dem Klopapier damals wirklich war. „Zeitungen wurden verwendet“, klärte Alex Beer auf.

Alex Beer: „Der zweite Reiter – Ein Fall für August Emmerich“, Limes Verlag, 384 Seiten.