Bedeutungsebenen frei legen

18.04.2017 • 20:25 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Marte-Marte-Architekten waren 2016 in der Themenschau.
Die Marte-Marte-Architekten waren 2016 in der Themenschau.

Verena Konrad, Leiterin des Vorarlberger Architektur Instituts, ist Biennale-Kommissärin.

Christa Dietrich

Venedig, Dornbirn. „Ausstellungen sind wichtig, um Themen zu setzen und Bedeutungsebenen freizulegen, damit neue Ideen entstehen können“, umreißt Verena Konrad im Gespräch mit den VN ihre Aufgabe. Kulturminister Thomas Drozda hat die Leiterin des Vorarlberger Architektur Instituts (VAI) zur Kommissärin für die nächste Architektur-Biennale in Venedig ernannt. Das heißt, dass sie im Jahr 2018 den Auftritt im Austria-Pavillon in den Giardini, dem zentralen Ausstellungspodium, verantwortet.

Zum 16. Mal findet im kommenden Jahr, alternierend zur traditionsreichen, seit 1895 durchgeführten Kunst-Biennale, eine Architektur-Schau statt. Organisatorinnen der gesamten Schau sind die irischen Architektinnen Yvonne Farrell und Shelley McNamara. Die Präsentation in den Pavillons obliegt den zuständigen Ländern. Die letzte Schau im Jahr 2016 zog 260.000 Besucher an. Österreichs Kommissärin war Elke Delugan-Meissl, die unter dem Titel „Orte für Menschen“ die soziale Verantwortung von Architekten ins Blickfeld rückte.

Leistungen in Vorarlberg

Verena Konrad, geb. 1979 in Wels und nach kuratorischen Tätigkeiten unter anderem an der Kunsthalle Wien seit 2013 Direktion des VAI, will ihr Konzept im Herbst darlegen. Vor rund zehn Tagen habe sie der Kulturminister gefragt, ob sie es sich vorstellen könne, die Aufgabe zu übernehmen. Freiheit bei der Themenwahl und der Gestaltung wurde ihr zugesichert, das Budget steht mit 400.000 Euro ohnehin fest. Drozda selbst würdigte bei der gestrigen Präsentation ihre Arbeit als Architekturvermittlerin und kommentierte die Bestellung auch mit einer Anerkennung der architektonischen Leistung im Westen Österreichs.

Die verstärkte Wahrnehmung der Arbeiten von Architekturbüros in Vorarlberg durch die Kulturpolitik mag auch mit dem Auftritt der Marte-Marte-Architekten im vergangenen Jahr in Venedig zusammenhängen. Die Vorarlberger waren als einzige österreichischen Teilnehmer zur zentralen Themenschau eingeladen und absolvierten im Arsenale einen international gut beachteten und in den Medien vielfach kommentierten Auftritt. Das mittlerweile in Feldkirch ansässige Büro plant unter anderem auch den Neubau der Niederösterreichischen Landesgalerie in Krems. Weiters war der Vorarlberger Lehmbauer Martin Rauch vertreten.

Zunehmende Bedeutung

Gegenüber den VN gab sich Verena Konrad überzeugt, dass die Bedeutung der Architekturbiennale zuletzt zugenommen habe. Mit den Länder-Pavillons in den Giardini und dem Arsenale, einer ehemaligen Schiffswerft, mag Venedig zwar ein schwieriger Ort für das Ausstellungsmachen sein, dafür sei er aber einzigartig. „Ich habe hier selbst schon viel Inspiration für meine Arbeit gewonnen. Grundsätzlich muss sich Architektur aber im Alltag beweisen.“

Übrigens: Heuer widmet sich die Biennale der Kunst. Den Austria-Pavillon bespielen Brigitte Kowanz und Erwin Wurm.

Die Herausforderung liegt im Spagat zwischen Zugänglichkeit für viele und einer theoretischen Tiefe.

Verena Konrad
„Orte für Menschen“ hieß es 2016 im Austria-Pavillon.
VAI-Leiterin Verena Konrad verantwortet im Jahr 2018 den Österreich-Auftritt in Venedig. FotoS: Marte/Stadler, APA, VN/CD
VAI-Leiterin Verena Konrad verantwortet im Jahr 2018 den Österreich-Auftritt in Venedig. FotoS: Marte/Stadler, APA, VN/CD

Die 16. Architektur-Biennale in Venedig (in den Giardini und im Arsenale) dauert vom 26. Mai bis 25. November 2018.