Erfolg eines Fastfoodriesen

18.04.2017 • 16:26 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Als Ray Kroc von einem revolutionären Schnellrestaurant hört, wittert er die Chance seines Lebens. Ascot Elite
Als Ray Kroc von einem revolutionären Schnellrestaurant hört, wittert er die Chance seines Lebens. Ascot Elite

Ray Kroc ist ein glückloser Handelsvertreter, bis er eines Tages die McDonald-Brüder kennenlernt.

Drama. Schon der Titel dieses Filmes ist übertrieben – und genau das macht ihn so gut: „The Founder“ steht da auf dem Filmplakat, also „Der Gründer“. Rot dominiert im Vordergrund das Poster, im Hintergrund ist ein geschwungener goldener Bogen zu sehen. Von Anfang an ist klar: Es geht um McDonald’s. Die Übertreibung liegt darin, dass es in John Lee Hancocks Filmbiografie genaugenommen eben nicht um den Gründer der Fast-Food-Kette geht. Ray Kroc ist lediglich der Mann, der sie groß gemacht hat.

Am Anfang des knapp zweistündigen Dramas ist Kroc (Michael Keaton) ein glückloser Handelsvertreter, der endlich einmal einen Erfolg verdient hat. In kleinen US-Käffern versucht er, Restaurantbetreibern einen Edelstahlmixer zu verkaufen, der sechs Milchshakes gleichzeitig zubereiten kann. Das scheint ein aussichtsloses Unterfangen, bis schließlich eine Bestellung für sechs dieser Ungetüme eintrudelt. Kroc will wissen, wer hinter diesem Auftrag steht und lernt die Brüder Mac und Dick McDonald kennen, die ein neuartiges Restaurant betreiben: ausgerichtet auf Familien, ohne Besteck und nur mit wenigen in Papier verpackten Gerichten. Dafür ist die Qualität herausragend und Kroc begeistert. Er überredet die Brüder, „McDonald’s“ zur Kette aufzublasen – bevor er sie schließlich aus ihrem eigenen Geschäft drängt. Dabei wird aus dem freundlichen Glückssucher ein manchmal raffgieriger und erbarmungsloser Burgertycoon.

Die Betonung liegt hier auf „manchmal“, denn wirklich bösartig ist „The Founder“ nicht. Regisseur Hancock hat bisher Erfolg gehabt mit leicht verdaulichem Wohlfühl-Arthouse wie dem Footballer-Drama „Blind Side – Die große Chance“ und „Saving Mr. Banks“ über die Entstehung des Musicalfilms „Mary Poppins“. Auch hier ist nun spürbar, dass er sich nicht traut, die dunklen Seiten Krocs wirklich auszuloten. Mehrdimensionale Frauenrollen fehlen ebenfalls – furchtbar unter Wert muss sich beispielsweise die in ihren wenigen Szenen wie immer exzellente Laura Dern verkaufen.

Spannende Filmsequenzen

Stattdessen tischt Hancock eine sehr solide Film-Biografie auf, die vor allem dann überzeugt, wenn sie abstrakte Geschäftsprozesse in spannende Filmsequenzen überträgt. Und dann wäre da noch Michael Keaton im Zentrum. Er spielt Kroc überzeugend, wenn auch mit etwas unklaren Motiven. Der wahre Charakter seiner Figur bleibt undeutlich, aber genau das passt zur Grundidee des Films. Innovation ist in dieser Welt schon für sich genommen erstrebenswert, egal, ob sie von einem Überzeugungstäter mit Herz kommt oder von einem Vertreter, der nur ein gutes Geschäft wittert. Am Ende bleibt „The Founder“ ein Film, der seltsam genau zu seinem Thema passt: Manchmal darf es schließlich auch im wahren Leben Fast Food sein.

Filminfos

» Regie: John Lee Hancock  
» Hauptdarsteller: Michael Keaton, Laura Dern, Patrick Wilson, Linda Cardellini, Nick Offerman

» läuft ab 20. April im Kino