Manchmal ist es klug, sich einfach dumm zu stellen

18.04.2017 • 20:25 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Markus Vögel als Psychiater Schulz und Tobias Moriggl als möglicher Täter in „Vorsicht Stock“. Foto: VN/Dietrich
Markus Vögel als Psychiater Schulz und Tobias Moriggl als möglicher Täter in „Vorsicht Stock“. Foto: VN/Dietrich

Theater „Sulzberg 6934“ bringt mit „Vorsicht Stock“ probate Mechanismen bestens zur Wirkung.

Sulzberg. (VN-cd) Einen Mord tunlichst zu vertuschen, ist das, was jeder Krimi-Fan von einem Täter erwartet. Drängt sich jemand in einer Polizeistation als Zeitgenosse auf, der gerade jemandem ein paar Messerstiche verpasst hat, oder erklärt einer grinsend, noch eine weitere Leiche in der Kühltruhe zu verwahren, ist Misstrauen der wahrscheinliche Reflex. Man zieht als Ermittler am besten einen psychologisch versierten Fachmann zu Rate und hält sich raus, bis dieser seine Einschätzung über den Grad der Zurechnungsfähigkeit darlegt. Blöd gelaufen ist die Sache dann, wenn die Expertise auf sich warten lässt, weil alles noch viel komplizierter ist und bald jeder in der Kriminaler- und Medizinerrunde nicht mehr weiß, ob er der eigenen Wahrnehmung trauen darf.

Davon handelt, grob umrissen, die Komödie „Vorsicht Stock“ von Christian Weber mit der das Theater „Sulzberg 6934“ neuerdings klarstellt, dass hier zwar Amateure auf der Bühne stehen, dass man deren sprachliche Leistung allerdings gut geschult hat und dass man bei der Umsetzung äußerst kreativ vorgeht. Spielleiterin Elvira Bilgeri hat auch die lautmalerischen Feinheiten gut im Griff, eine Palette, die vom Bregenzerwälder Begriff über eine Südtiroler Färbung bis zum trefflich intonierten Vogelgezwitscher reicht, macht „Vorsicht Stock“ fast schon zum Experimental-Theater. Der eine erfreut sich also an der skurrilen, schwungvoll getakteten, über eineinhalb Stunden niemals durchsackenden Handlung, der andere nimmt ein durchkomponiertes Stück wahr, das als solches funktioniert, weil alle Mitwirkenden bestens aufeinander eingespielt sind. Ach ja, dass es manchmal klug ist, sich dumm zu stellen, nimmt der Zuschauer zudem als gescheite Erkenntnis von einem humorvollen Abend mit.

Weitere Aufführungen des Stücks im Laurenzisaal in Sulzberg vom 21. bis 30. April:
www.theater6934sulzberg.at