Die Herzfrequenzen eines Paares

20.04.2017 • 20:11 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Auf dem Hohenemser Schlossberg wird die Skulptur „Biographie“ von Marbod Fritsch eingeweiht.

HOHENEMS. (ag) Mit der Skulptur „Biographie“ von Marbod Fritsch (geb. 1963) trifft auf dem Hohenemser Schlossberg bereits zum vierten Mal in Folge zeitgenössische Kunst auf altes Gemäuer. Zwei goldene Stahlringe, die Kanten auf einer Seite gezackt, die aus dem Boden herauszubrechen scheinen, sich leicht angewinkelt gegenüber stehen und nur an einer einzigen Stelle berühren – die offenen Formen lassen viele Deutungen von Krone über Tierfalle bis Wunde zu.

Schicksalshafte Beziehung

Assoziationen, die ihrem Schöpfer, dem Bregenzer Künstler Marbod Fritsch, bei aller Präzision des Objekts durchaus recht sind. Er allerdings weiß es nicht nur genauer, sondern ganz genau, was hinter dem vom Hohenemser Unternehmen Formblechtechnik Salzmann produzierten und gesponserten, per Helikopter an den Aufstellungsort geflogenen Werk von fast einer Tonne Gewicht steckt. Eingeladen vom Verkehrsverein Hohenems, den ebenso geschichtsträchtigen wie von Erholungssuchenden gut frequentierten, eigentlich nur zu Fuß erreichbaren Ort bei der Burgruine Alt-Ems bis in den Herbst hinein zu bespielen, wollte Marbod Fritsch ein Objekt schaffen, das die Verbindung zum Berg auf symbolträchtige Weise reflektiert. Unter dem bezeichnenden Titel „Biographie“ spiegelt das für den Ort geschaffene Werk die persönliche, lebenslange Geschichte eines Paares wider. Ein Paar, das nicht nur untereinander innigst verbunden ist, sondern auch zum Berg eine schicksalshafte, untrennbare Beziehung unterhält, visualisiert in den Herzfrequenzen, die in die Stahlringe eingeschrieben sind.

Veredelte Falle

Ist es möglich, fragt Marbod Fritsch, „eine individuelle schicksalshafte Beziehung zwischen zwei Menschen und einem Ort so sichtbar zu machen, dass auch eine Art von Allgemeingültigkeit entstehen kann, das heißt: Lässt die Arbeit überhaupt genügend Interpretationsspielraum für Dritte?“ Inhaltlich an die im vergangenen Jahr im ORF Funkhaus gezeigte Installation anknüpfend, wo der Künstler ein Museum von Sätzen, die ein Leben verändert haben, realisierte, verkörpert die aktuelle Arbeit ein sensibles Zu- und Nebeneinander, das fragile System einer Beziehung mit Auseinanderklaffen und Berührungspunkten, aber auch die Möglichkeit des Auf- und Auseinanderbrechens, den Verlust von Sicherheit und Tragfähigkeit. Verletzlichkeit steht hartem Stahl gegenüber, die Endlichkeit unserer Existenz wird in einem goldenen Ring zum Loop, zur veredelten Falle, aufgestellt an einem grandiosen Ort.

Detail am Rande: Die Skulptur wird über den Verkehrsverein Hohenems, den Trägerverein der Burg-Sanierungsarbeiten, unter www.alt-ems.at bis 13.Oktober versteigert. Marbod Fritsch spendet 50 Prozent des Erlöses für die Sanierung.

Die Skulptur „Biographie“ von Marbod Fritsch wurde am gestrigen Vormittag per Helikopter zum Hohenemser Schlossberg transportiert, wo sie nun die dort bereits stehenden Skulpturen ergänzt. Fotos: VN/Paulitsch, Fritsch
Die Skulptur „Biographie“ von Marbod Fritsch wurde am gestrigen Vormittag per Helikopter zum Hohenemser Schlossberg transportiert, wo sie nun die dort bereits stehenden Skulpturen ergänzt. Fotos: VN/Paulitsch, Fritsch

Die Skulptur wird am 22.April, 11 Uhr, auf dem Hohenemser Schlossberg präsentiert und bleibt bis zum 15.Oktober aufgestellt.