Neues Gesicht fürs Kunsthaus

20.04.2017 • 20:54 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Eine der Arbeiten von Simon Fujiwara an den KUB-Billboards.  Fotos: VN/Steurer
Eine der Arbeiten von Simon Fujiwara an den KUB-Billboards. Fotos: VN/Steurer

Der britisch-japanische Künstler Simon Fujiwara bespielt und kuratiert die Billboards.

BREGENZ. Die sieben fast quadratischen und fix installierten Plakatwände entlang der Bregenzer Bahnhofstraße sind als Billboards längst zur Außenstelle des Kunsthauses Bregenz und zu den wohl meistgesehenen zeitgenössischen Kunstwerken Österreichs avanciert. Zur „wirklichen“ Werbefläche und zum Aushängeschild für eine Kampagne werden sie jedoch aktuell in einer neuen, außergewöhnlichen Auftragsarbeit des britisch-japanischen Künstlers Simon Fujiwara.

Image-Transfer

Simon Fujiwara, der mittlerweile in Berlin lebt und für sein multimediales Werk, das Fotografie, Gemälde, Skulptur, Video und Performance umfasst, bekannt ist und dem, wie berichtet, nach Ablauf der Billboards auch die erste Ausstellung des Jahres 2018 im Kunsthaus selbst gewidmet sein wird, bespielt die Plakatwände nicht nur als Künstler.

In den kommenden Monaten und den währenddessen folgenden zwei neuen Inszenierungen tritt er auch als Kurator in eigener Sache auf und schlüpft in die Rolle des PR-Beraters. Ein Vexierspiel, das mit der Frage nach der Konstruktion und Repräsentation von Identität, Selbstdarstellung, Geschichte und Geschichten ein zentrales Motiv im Werk von Fujiwara untermauert.

Opfer der Klatschpresse

Den Ausgangspunkt für „Campaign“ bildet das Projekt „Joanne“ von 2016, eine Kollaboration mit seiner früheren Kunstlehrerin Joanne Salley. Die ehemalige irische Schönheitskönigin, Künstlerin, Boxerin und Erzieherin an der renommierten Londonder Harrow School war durch die Enthüllung von Nacktfotos in einen Skandal geraten und wurde als „topless teacher“ zum Opfer der britischen Klatschpresse. In einem kurzen Video, das die bildschöne Frau in Bregenz durchs Kunsthaus gehend und lachend Selfies schießend auf dem Dach des Hauses zeigt, erzählt Joanne Salley von ihrem Leben vor und nach dem Skandal. Zu schön, um wahr zu sein, wirft der Film nicht nur die Frage nach Authentizität auf. Salley wird im Zuge der von Simon Fujiwara gestarteten Imagekampagne und ihrer öffentlichen Neuerfindung nun auch zum neuen Gesicht der KUB-Medienkampagne.

Von Warhol zu van Eyck

Bereits die Machart und Ästhetik des Videos demonstrieren, wie der Künstler die Bildsprache aus Bereichen wie Marketing, Werbung, soziale Medien, Onlineplattformen und Popkultur instrumentalisiert, für seine Arbeit adaptiert und gleichzeitig unterläuft. Vermeintlich selbstbestimmt, deckt Fujiwara den Mythos vom Individuum in der Gegenwart auf und fragt: Wie weit reicht die Kontrolle über unser eigenes Bild, wie werden wir von der Öffentlichkeit wahrgenommen und von einem von außen geprägten Image bestimmt?

Zur Strategie des Künstlers gehört es auch, die zeitgenössischen (sozialen) Medien mit ihren eigenen, stärksten Mitteln anzugehen. Dafür verweist Simon Fujiwara, der sich mit „Campaign“ auf von Künstlern wie Andy Warhol entwickelte Prinzipien beruft und auch die komplexe Beziehung zwischen Künstler und Muse anspricht, aber auch auf den flämischen Renaissancemaler Jan van Eyck, der für sein berühmtes Arnolfini-Gemälde aus dem Jahr 1434, das ein Hochzeitspaar zeigt, auch die besten Pigmente und die modernste Technik seiner Zeit nutzte.

Fragilität des Menschen

Während Joanne Salley im Video durchs Kunsthaus geht und die Architektur in der kontrollierten Ruhe und Schönheit, die sie ausstrahlt, als Ort zu einem Teil des neuen Brands wird, zeigen die Billboards anhand von Körper und Körperteilen, etwa Salleys Beinen, von denen sich deutlich sichtbar die Haut als Hülle abschält, die Verletzlichkeit und Fragilität des Menschen hinter den Bildern, die vielleicht doch nur Fassade sind, auf.

Zur Person

Simon Fujiwara

Geboren: 1982 in London

Ausbildung: Architekturstudium an der Cambridge University/GB, Kunststudium an der Städelschule in Frankfurt a.M./D

Ausstellungen: Tate Modern in London, Palais de Tokyo in Paris, Museum of Modern Art in New York, Irish Museum of Modern Art in Dublin u.a.

Auszeichnungen: Baloise Art Prize u.a.

Wohnort: Berlin  

Die von Simon Fujiwara bespielten KUB Billboards sind an der Bahnhofstraße in Bregenz bis 7. Jänner 2018 zu sehen.