Dort, wo sich fünf Flüsse kreuzen

Kultur / 21.04.2017 • 16:17 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Barney NorrisHier treffen sich fünf FlüsseDuMont329 Seiten

Barney Norris

Hier treffen sich fünf Flüsse

DuMont

329 Seiten

Irgendwo in England, eine Nabelschau auf britisch.

Romane. Es gibt einen magischen Ort in England, wo sich fünf Flüsse kreuzen. Ganz in der Nähe befindet sich ein historischer Burgwall. Will man spirituell angehauchten Menschen Glauben schenken, hat diese Gegend Unwirkliches an sich. Dieser Ort heißt übrigens Salisbury, der bekannteste der fünf Flüsse ist der Avon, besser bekannt durch Shakespeares Geburtsort Stratford-upon-Avon, im Herzen Englands also. Zur Story: In Salisbury kollidiert ein Motorradfahrer mit einem Auto und drei Passanten werden zu Augenzeugen. Barney Norris sensibler Literat mit soziologischem Anliegen hat genauer hingeschaut.

Das Unterholz

Der englische Autor zählt zu den jüngeren, gefeierten britischen Dramatikern. Seine Stücke werden landauf landab gespielt, mit „Hier treffen sich fünf Flüsse“ legt er nun seinen ersten Roman vor. Das Eingangsszenario ist ziemlich langwierig, fünf Persönlichkeiten müssen einmal erklärt werden. Das macht der Autor prinzipiell sehr gut, in inneren Monologen legt er die Charaktere frei. Der Weg zum Ziel ist jedoch ein ziemlich langer. Darin lauert auch die Gefahr, denn die Charaktere erscheinen doch zu sehr aus einer Schmiede zu sein, als dass man zwischen ihnen differenzieren könnte. Schlussendlich leiden sie an Unterkühlung, hier ist der Leser gefordert, dran zu bleiben. Viel eher scheinen Story und Charaktere das Unterholz eines dramatischen Textes zu sein, möglichst breit ausgerollt, in allen Stimmungen. Jedoch sollte der Versuch, als junges Sprachrohr des einfachen Engländers zu gelten, mehr als nur gewürdigt werden.

Alle Farben

„Der Gentleman“ von Forrest Leo spielt inmitten des 19. Jahrhunderts in London. Ein fauler Aristokrat, Lionel Savage, der zum Zeitvertreib auch Lyriker ist, ist dem Bankrott nahe und muss sich etwas überlegen. Da dem Lebemann nicht nach einer täglichen Arbeit ist, lässt er sich auf eine Ehe mit einer Dame aus reichen Verhältnissen ein. Eines Tages erscheint dem Autor der Teufel, der ihn gerne zum Freund hätte. Bald darauf verschwindet die wunderschöne Frau des Autors „zufällig“ und diese muss nun gesucht und gerettet werden – willkommen im Abenteuerroman des 19. Jahrhunderts.

Natürlich ist die Geschichte nicht neu und das viktorianische Zeitalter zu bemühen, ist auch nicht originell, aber „Der Gentleman“ ist unterhaltsam und strotzt nur so vor Energie und ist von einer hämischen Lust beseelt, die Zeit zu parodieren. Das Hoheitsgebiet der Monty Python könnte nun einen neuen Verwalter bekommen, vielleicht nicht auf dem Jahrhundertniveau der englischen Komiker, aber anständig solide, vor Verblödung wird der Leser bewahrt, und dem Gefühl nach könnte es auch in der Kolonie, in Indien, mit hunderttausend Farben und vielen Emotionen spielen. Ein Abenteuerroman, der zudem offenbart, wie heutzutage die Abenteuer zwischen Bollywood und Hollywood funktionieren.

Forrest LeoDer Gentleman,Aufbau296 Seiten

Forrest Leo

Der Gentleman,

Aufbau

296 Seiten