Respektieren des Gegensatzes

Kultur / 21.04.2017 • 20:29 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Neun Künstler thematisieren im ORF-Funkhaus auch ihre Position zur Qualität. Foto: Keckeis
Neun Künstler thematisieren im ORF-Funkhaus auch ihre Position zur Qualität. Foto: Keckeis

Neun Künstler und der Qualitätsbegriff in der Kunst in einer Schau, die zur Auseinander­setzung auffordert.

Dornbirn. (VN-cd) „Ein wesentliches Kriterium für gute Kunst ist, wenn jemand etwas, das wir zu kennen glauben, von einer anderen Seite her betrachtet, so wie das vorher noch niemand tat und auf diese Weise unsere Realität bereichert“, schrieb Wolfgang Bender auf eine Karte. Der Vorarlberger Künstler ist mit seinen Arbeiten international in Galerien und Kunsthallen vertreten und arbeitet mit verschiedenen Medien. Mit einer kleinen, konzeptiven Fotoarbeit, einem Bild, das er übermalt hat, positioniert er sich in der Runde von insgesamt neun Kollegen, ohne damit ein Thema zu erweitern, zu ergänzen. Dieses gibt es nämlich nicht. Die Schau trägt den an sich einfachen Titel „Subjektiv: Zum Qualitätsbegriff in der Kunst“ und dürfte einige Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Wobei zu wünschen ist, dass die Vorkommnisse im Vorfeld weniger zum Besuch motivieren als nun eben die versammelten Arbeiten von ausschließlich Vorarlberger Künstlerinnen und Künstlern, die in der Öffentlichkeit bislang oft oder so gut wie kaum präsent waren.

Etwas zum Mitnehmen

Dass ORF-Landesdirektor Markus Klement den Künstler Harald Gfader als Kurator für die Ausstellung im Dornbirner Funkhaus engagierte und die ORF-Journalistin Carina Jielg, die hier über einige Jahre interessante Positionen platzierte, von dieser Funktion enthob, hatte unter Künstlern und Kunstvermittlern zu kritischen Äußerungen geführt. Man tut vielleicht gut daran, diese einfach so stehen zu lassen und sich dem Eigentlichen zu widmen, der Kunst. Drei Ausstellungen soll es pro Jahr geben, im Foyer eines Gebäudes, in dem als Kerngeschäft der Kommunikation nachgegangen wird und das von seiner räumlichen Aufteilung her keine Galerie sein könne, will Gfader nicht jeweils die Arbeit eines Künstlers zeigen, sondern verschiedene. Als Motto verweist er auf Wittgenstein, der meinte, dass ein Kunstwerk am besten das Schaffen eines weiteren nach sich zieht. „Respekt für gegensätzliche Gedanken“ und „Offenheit für neue Zugänge“ sowie „kontinuierliche Auseinandersetzung“ schrieb Claudia Mang auf ihre Karte und lieferte ein gestisch kräftig gezeichnetes Werk dazu ab. Dem Besucher etwas mitzugeben, dieses Vorhaben hat Gfader auch wortwörtlich umgesetzt, als er Bildkarten mit ausgestellten Werken drucken ließ und die Künstler bat, auf der Rückseite das zu formulieren, was ihnen zum Qualitätsbegriff in der Kunst einfällt.

Angesichts der Tatsache, dass das Funkhaus nicht nur von Menschen frequentiert wird, die sich hier mit zeitgenössischer Kunst auseinandersetzen wollen, ist das eine gute Idee. Im Bereich der Kunstvermittlung darf vieles probiert werden, sagen schließlich auch jene Museums- und Kunsthallenleiter, die Ausstellungen danach ausrichten, mit Ihresgleichen zu kommunizieren.

Schön, dass etwa Daniel Nesensohn, ein Geheimtipp, auch den Begriff „Spaß“ formuliert. Der Künstler (mit körperlicher Beeinträchtigung) zieht den Betrachter quasi in seine abstrakte Arbeit. Ein starkes Blatt. Kaum bekannt ist auch der Keramiker Ewald Hotz, der Empfindungen und Zustände mit surrealen Keramikköpfen ausdrückt. Rouven Dürrs Betonplastik führt in der Tat zu Assoziationen über Verdichtung und Konzentration. Wer vor allem kleinere Arbeiten von Michael Mittermayer kennt, dürfte sich gern mit dieser größeren Übermalung auseinandersetzen. Martina Pruzina-Golser erweist sich als ungemein versierte Zeichnerin. Christian Geismayrs vielschichtige Malerei ist stets eine Erkundung wert und Franz Gassners „Einschnitte“ mag man als klassisch betrachten, sie haben aber auch einen erzählerischen Gehalt, sind „subjektiv“, wie es im Titel steht.

Die Ausstellung ist im ORF-Funkhaus in Dornbirn bis 20. September zu sehen.