Sieger sind sie schon alle

21.04.2017 • 21:03 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
„alpenarte“-Solisten mit dem Intendanten bei der Darbietung des „Forellenquintetts“. Foto: Andreas Domjanic
„alpenarte“-Solisten mit dem Intendanten bei der Darbietung des „Forellenquintetts“. Foto: Andreas Domjanic

Verheißungsvoller Start für das junge viertägige Festival „alpenarte“.

SCHWARZENBERG. Unter den Vorzeichen eines besonderen musikalischen und gesellschaftlichen Ereignisses ging im Angelika-Kauffmann-Saal das Eröffnungskonzert eines neu installierten Festivals über die Bühne. „alpenarte“ versteht sich als qualitätvolles Erlebnis- und Vermittlungsprojekt zur Förderung einer jungen Elite von Musikern, bei denen einer aus ihrer Mitte als Intendant das Sagen für Besetzung und Programm hat. Exzellente Leistungen und die Begeisterung des im Moment zwar noch überschaubaren Publikums mit viel Polit-Prominenz von Land und Gemeinden bestätigten auf Anhieb die Tragfähigkeit dieses neuen Formats.

Der unglaublich rührige und ideenreiche, aus Kroatien stammende Pianist, Manager und Musikvermittler Drazen Domjanic hat bereits seit 2006 auf mehreren Schienen das Musikleben im Fürstentum Liechtenstein aufgemischt und seit 2010 in Bad Ragaz mit dem Festival „Next Generation“ jungen internationalen Hochbegabungen eine perfekt durchgestylte Plattform geschaffen. Mit der vorgesehenen Erweiterung seines Aktionsradius in den Vorderwald und der Idee für „alpenarte“ fand Domjanic als künstlerischer Leiter in der Kulturinitiative Schwarzenberg Mitstreiter und Financiers zur Gründung einer GmbH. mit Geschäftsführer Hans Metzler.

Neun Profimusiker

Erster „Intendant in Residence“, verantwortlich für die Auswahl der Künstler und die Planung der vier Konzertprogramme, ist der deutsche Pianist Mario Häring (27), so wie der Vorarlberger Aaron Pilsan einst Schüler des legendären Karl Heinz Kämmerling. Häring ist eine, wie sich zeigt, bereits ausgeprägte Künstlerpersönlichkeit mit Geschmack und Reife, dessen wichtigste Erfahrung bei diesem Projekt es war, die Musik als Manager einmal „von der anderen Seite her“ zu erleben, wie er dem Publikum gesteht. Er hat dafür neun junge Profimusiker aus verschiedenen Ländern um sich geschart und im Teamwork auf ihre Aufgaben eingeschworen. Etliche von ihnen haben bereits verantwortungsvolle Solostellen in wichtigen Orchestern wie jenem des SWR, wo Sebastian Manz, der kürzlich als Solist beim SOV auftrat, als Soloklarinettist wirkt. Manche können auch auf erste CD-Einspielungen verweisen oder haben bereits Professuren, wie der Cellist Maximilian Hornung am Konservatorium Feldkirch, die anderen sind auf dem besten Weg dazu.

Jeder ist ein Könner von hohen Graden, mit Freude am Risiko und großer Lust am Zusammenspiel. Dazu kommt bei der Solistenparade im ersten Teil auch die sympathische Art der Präsentation mit launig einführenden Worten, die sofort den Kontakt zu den Zuhörern herstellen und vielleicht auch die eigene Nervosität nehmen. Häring hat für die Eröffnung einen sehr persönlichen, interessanten Mix aus Klassik und Gegenwart gewählt, vorsichtig auf das Publikum Rücksicht nehmend, dennoch mit Mut zu Neuem vorpreschend, etwa einer aufregend experimentellen Sonate für Klarinette solo von Denissow mit Manz.

Ereignisreich

Begonnen hat der Abend mit dem griechischen Geiger Jonian-Ilias Kadesha und Paganinis viel strapazierter Caprice Nr. 24, deren Variationen sich in aktueller Aufbereitung am Ende wiederfinden, in Lutoslawkis aktueller Aufbereitung für zwei Klaviere mit Intendant Häring und seinem Partner, dem Russen Boris Kusnezow – effektvolle Virtuosenmusik, die mit dem notwendigen Tiefgang versehen wird. Kusnezow zeigt zuvor in Chopins Nocturne cis-Moll seine empfindsamen Seiten, Häring in einer wahnwitzig jazzigen Konzertetüde von Kapustin sein Showtalent. Auch Klassikfreunde kommen zu ihrem Recht, mit einem reizend dargebotenen Duo für Violine und Viola von Mozart mit der Deutschen Sarah Christian und dem Israeli Matan Gilitchensky. Hornung trumpft mit Paganinis halsbrecherischen Cellovariationen über ein Thema von Rossini auf, die österreichische Flötistin Barbara Chemelli widmet sich zupackend Bartóks ungarischen Bauernliedern.

Die größte Herausforderung bildet Schuberts „Forellenquintett“. Cellist Hornung verweist die Zuhörer auf das junge Durchschnittsalter des Festival-Ensembles und darauf, dass Schubert das Werk mit 23 komponiert hat: „Wir sind näher dran!“ Tatsächlich hätte die leidenschaftliche Art der Wiedergabe durch diese „Jungen Wilden“ zusammen mit dem Spanier Samuel Ortega Sanchez am Kontrabass auch der Schubertiade alle Ehre gemacht. Dass man Sieger am Start erkennt, lässt sich auf die Musiker übertragen, die die „alpenarte“ aus der Taufe gehoben und dem Publikum einen ereignisreichen Abend beschert haben.

Weitere Konzerte: Kauffmann-Saal, Schwarzenberg: 22. April, Experiment-Konzert; 23. April, Abschlusskonzert u. a. mit Schülern des BORG Egg und der Musikmittelschule Lingenau, jeweils 17 Uhr