Das Wollen und das Können mit Lockerheit begeisternd vereint

Kultur / 23.04.2017 • 20:37 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der „Karneval der Tiere“ hat alle Festival-Solisten vereint.  Foto: Andreas Domjanic
Der „Karneval der Tiere“ hat alle Festival-Solisten vereint.  Foto: Andreas Domjanic

Das erste „alpenarte“-Festival ist gestern Abend mit stehenden Ovationen zu Ende gegangen.

Schwarzenberg. (VN-cd) Schon einmal einen Elefanten mit Sonnenbrille gesehen? Oder einen Meisterpianisten, der in seiner neuen Rolle als Intendant auch Noten umblättert oder ein Percussionsinstrument in die Hand nimmt, wenn es das Programm, in dem Fall „Der Karneval der Tiere“ von Camille Saint-Saëns, erfordert? Nicht, dass man beim neuen Festival „alpenarte“, das, wie berichtet, einen fulminanten Start hinlegte, improvisieren müsste, aber wo „jung modern, virtuos“ , so der Untertitel, draufsteht, da sind diese Begriffe auch auszumachen. Nach einem „Europa-Konzert“, in das der Pianist Mario Häring in seiner Rolle als Programmmacher auch ein Werk des syrischen Komponisten Kinan Azmeh aufnahm, und einem „Experiment-Konzert“, bei dem dem Publikum kurze Stücke hautnah dargeboten wurden, war gestern Abend im Angelika-Kauffmann-Saal in Schwarzenberg nicht nur ein tierischer Aufmarsch angesagt; mit dem „Kaiserwalzer“ in Zehnerformation wurde fortgesetzt, was zuvor schon mit der Schönberg-Bearbeitung von „Rosen aus dem Süden“ gelang, das Publikum riss es alsbald von den Stühlen.

Neue Klangbilder

Das Klavierquintett in Es-Dur, op. 44, von Schumann eröffnete mit ungewohnten Tempovariationen nicht nur neue Klangbilder, alte „Konzerthasen“ durften erfreut feststellen, dass auch Kindern anspruchsvolle Kammermusik nicht zu mühsam ist. Nachdem sie beim „Karneval der Tiere“ quasi Mitwirkende waren, blieben nicht nur die Schüler der Musikmittelschule Lingenau und des Gymnasiums Egg im Saal, sondern auch einige weit jüngere Familienmitglieder. Dass Begeisterung ansteckt, ist bei „alpenarte“ somit kein leeres Schlagwort. Für Drazen Domjanic, der mit Vertretern aus Politik und Wirtschaft dieses Festival konzipierte, haben mehrere Faktoren Gültigkeit: Ohne Tradition gehe gar nichts, Innovation gehöre dazu, Qualität sei sowieso ein Muss wie Integration, vorurteilsfreies und dankbares Agieren bzw. Zupacken. Und gegen eine mitunter feststellbare Festival-Überfütterung helfe nur eines, bemerkte er im Gespräch mit den VN, nämlich Bedacht auf Qualität. Die aus verschiedenen Ländern stammenden Musiker, nämlich Mario Häring, Johannes Fischer, Boris Kusnezow, Sebastian Manz, Sarah Christian, Jonian-Ilias Kadesha, Matan Gilitchensky, Samuel Ortega Sánchez, Maximilian Hornung und Barbara Chemelli, lieferten sie. Auch in der einfachen, aber percussiv höchst spannend dargebotenen „Kindersinfonie“ von Edmund Angerer, die sich als hervorragende Einstimmung auf den erwähnten „Karneval der Tiere“ erwies, für den Bregenzerwälder Schüler aus den genannten Institutionen nach einem Workshop mit den Musikern den Text lieferten. Ein riesiger Spaß, der auf Können beruht, und eine frische Art der Wiedergabe, bei der sich die jungen Meisterinterpreten wohl auch von der Spontaneität der Schüler inspirieren ließen.

Das nächste „alpenarte“-Festival findet vom 26. bis 29. Oktober in Schwarzenberg statt.