Mit jeder Faser des Körpers

23.04.2017 • 20:37 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Szene aus „SH-BOOM!“ des NDT2. Foto: BRf, Rahi Rezvan
Szene aus „SH-BOOM!“ des NDT2. Foto: BRf, Rahi Rezvan

Nederlands Dans Theater 2 setzt in der Tat das um, was man oft so leicht hinsagt.

Bregenz. (VN-cd) Es gibt Aussagen, die werden immer wieder einmal pauschal getätigt, weil sie sich so gut machen. Was „mit jeder Faser des Körpers“ heißen kann, hat das Publikum des Festivals „Bregenzer Frühling“ am Samstagabend im vollbesetzten Festspielhaus mit dem Stück „Feelings“ auf bestmögliche Art miterlebt. Das Nederlands Dans Theater 2 (NDT 2) bestritt den zweiten Abend der diesjährigen Reihe, die letztmalig von Wolfgang Fetz kuratiert wurde. Nicht nur das enorme Interesse und die präsentierten Stücke belegen, dass der ehemalige Bregenzer Kulturamtsleiter völlig richtig entschieden hatte. Unter den durchgehend österreichischen Erstaufführungen wurden neben dem älteren, dramaturgisch aber gut positionierten Stück „SH-BOOM!“ mit „The Grey“ (Choreografie: Imre und Marne van Opstal) und „Midnight Raga“ (Choreografie: Marco Goecke) zwei Werke dargeboten, die erst vor wenigen Tagen in Den Haag uraufgeführt worden waren.

Bis zum Gehtnichtmehr

„Feelings“ (Choreografie: Sharon Eyal & Gai Behar) stammt aus dem letzten Jahr und führt auf die Grundelemente des Tanzes zurück, auf Körpersprache, die jeden Aspekt miteinbezieht, so auch die Muskelspannung. Dass bei diesem wortwörtlichen Agieren aus dem Bauch heraus ungemein poetische Bilder entstehen, macht die Qualität dieser Gruppe aus, die sich seit Jahren an der Spitze hält. Dass man sich auch davon im Rahmen des Festivals in Bregenz überzeugen kann, wo die Niederländer schon mehrmals gastierten, beweist die gute Intendantenarbeit. Einen Abend, der hohe Konzentration fordert, mit „SH-BOOM!“ von Sol León und Paul Lightfoot enden zu lassen, zählt ebenfalls zu den positiven Punkten. Die bissige Auseinandersetzung mit dem Showbizz ist bis zum Vinylgeräusch bei der eingespielten Schlagermusik ein virtuoser Akt, witzig bis zum Gehtnichtmehr und hochintelligent. Und „The Grey“? Zwischen Schwarz und Weiß hat der Mensch Entscheidungen zu treffen, zu reflektieren. Vierzig Minuten lang Kommunikation: nahezu nonverbal, stets fordernd und präsent. Existenzielles wird spürbar, ununterbrochen, oft nachvollziehbar düster, aber konsequent. So wie „Midnight Raga“, ein kurzer, rasanter Kraftakt, in dem sich verschiedene Herangehensweisen zu einem Erlebnis verbinden.

Auch Richard Siegal bringt mit „My Generation“ am 19. Mai eine österreichische Erstaufführung nach Bregenz. Foto: Bregenzer Frühling, ShokoPhoto
Auch Richard Siegal bringt mit „My Generation“ am 19. Mai eine österreichische Erstaufführung nach Bregenz. Foto: Bregenzer Frühling, ShokoPhoto

Nächste Aufführungen im Rahmen des Festivals am 13. Mai (Michèle Anne etc.) und 19. Mai (Richard Siegal).