Alles begann beim Vorlesen

24.04.2017 • 19:49 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Der ausgezeichnete Text soll bald einmal zum ersten Buch von Sarah Rinderer führen. Foto: VN/Hartinger
Der ausgezeichnete Text soll bald einmal zum ersten Buch von Sarah Rinderer führen. Foto: VN/Hartinger

Die neue Vorarlberger Literaturpreisträgerin heißt Sarah Rinderer und studiert gerade in Island.

Bregenz. (VN-cd) Schon Kleinkindern regelmäßig etwas vorzulesen, ist immer gut, dass es mitunter wunderbare Folgen haben kann, beweist die Autorin Sarah Rinderer (22). Die Studentin an der Kunstuniversität in Linz wurde für den Kurztext „Mutterschrauben“ mit dem Vorarlberger Literaturpreis ausgezeichnet, der ihr gestern Abend im Landhaus in Bregenz verliehen wurde.

Die Begriffe Grenzen und Heimat hätten in ihrer Familie immer mehr Bedeutung gewonnen, erzählt sie im Gespräch mit den VN. In „Mutterschrauben“ sitzt ein junges Mädchen mit ihrer Großmutter vor dem Laptop und sieht sich per Streetview den Geburtsort der Oma an, die aus dem Sudetenland stammt. Rund zehn Seiten hat das Manuskript, das die Jury als „unprätentiöser, puristischer Text“ beeindruckte. Die Studentin will das Werk ausbauen, bittet aber um Geduld, denn zuerst will sie mit dem Studium der Experimentellen Gestaltung vorankommen. Sarah Rinderer ist somit vor allem im Bereich der bildenden Kunst unterwegs bzw. an der „Schnittstelle“ zwischen dieser und der Literatur.

Inspiration in Reykjavik

Seit einigen Monaten hat das Unterwegssein allerdings auch eine besondere Bedeutung, die junge Vorarlbergerin reist nämlich bald zurück nach Reykjavik, wo sie ein Auslandssemester absolviert. Und ja, wer sich dabei ein schönes Postkartenmotiv mit eher kleineren Häusern und einem weiten Horizont vorstellt, liegt richtig, vom Fenster ihres Zimmers aus blickt sie in der Tat auf das Meer. Der Studienort wurde aber freilich nicht wegen der Landschaft ausgewählt, während des Schreibens hatte Sarah Rinderer schon früher öfter Musik der isländischen Band Sigur Rós gehört. Dass die Isländer als Büchernarren gelten, hat sie fasziniert. Nach dem Auftritt des Landes auf der Frankfurter Buchmesse wurde die Auseinandersetzung mit dem literarischen Schaffen in diesem Land intensiviert, und schließlich hatte es dann geklappt mit dem Erasmus-Programm, in dessen Rahmen sie sich nun auf der Insel im europäischen Norden weiterbildet.

Ein paar Brocken in isländischer Sprache sind bereits hängen geblieben, schließlich hat in ihren bildnerischen Arbeiten jedes Wort, jeder Buchstabe Bedeutung. Die letzte Ausstellung fand in Linz statt, zuvor war sie aber auch schon im Theater am Saumarkt vertreten, und vor drei Jahren setzte das Bregenzer Theater Kosmos auf seiner jungen Bühne, dem Kosmodrom, ein Kurzdrama von Sarah Rinderer um.

Gute Literaturförderung

Begonnen hat alles bereits beim Vorlesen, erklärt sie, schon als Kleinkind wurde auf diese Art ihr Interesse an Geschichten geweckt. In der Unterstufe hatte ein Lehrer der sprachbegabten Schülerin dann einmal einen Folder der Vereinigung „Literatur.Vorarlberg“ überreicht. Sarah Rinderer belegte bereits als 14-Jährige den ersten Workshop bei der Schriftstellerin Erika Kronabitter und stellt der Literaturförderung im Land rückblickend ein sehr gutes Zeugnis aus. Von der Tatsache, in Zeitungen, darunter in den Vorarlberger Nachrichten, schon sehr früh Texte veröffentlichen zu
können oder auch im ORF gehört zu werden, habe sie sehr profitiert. Im Land sei die
Szene gut vernetzt, sie habe sich auch in anderen Bundesländern informiert, wo es derlei Möglichkeiten, so die Autorin und Künstlerin, kaum gibt.

Arbeitsstipendium für Vögel

Der Literaturpreis des Landes Vorarlberg ist mittlerweile mit 7000 Euro dotiert. Die 22-jährige Studentin zählt zu den jüngsten Ausgezeichneten. Daneben wird auch ein Arbeitsstipendium, dotiert mit 1500 Euro, vergeben, das in diesem Jahr an den Bregenzerwälder Autor Michael Vögel geht. Der noch wenig bekannte Schriftsteller wurde 1977 in Oberstdorf (Bayern) geboren und überzeugte die Jury mit dem Kurztext „Im Anfang war das Wort“, der zu einem Roman ausgebaut werden soll.

Ich habe davon profitiert, dass ich sehr früh in Zeitungen, darunter in den VN, veröffentlichen konnte.

Sarah Rinderer

Zur Person

Sarah Rinderer

Geboren: 1994 in Bregenz

Ausbildung: seit 2014 Studium der Experimentellen Gestaltung an der Kunstuniversität Linz

Publikationen: diverse Veröffentlichungen in Zeitungen, darunter in den Vorarlberger Nachrichten, und Anthologien; Kurzdrama im Bregenzer Kosmodrom

Preise: Literaturpreis des Landes Vorarlberg, u. a. Startstipendium des Bundesministeriums für Unterricht und Kunst