Unter einem roten Regenschirm

24.04.2017 • 19:49 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Lore Rhomberg hat die Freiheit im Bild im Aquarell und in Farben, die nicht verblassen, gefunden. FotoS: c.art/ag
Lore Rhomberg hat die Freiheit im Bild im Aquarell und in Farben, die nicht verblassen, gefunden. FotoS: c.art/ag

Die Galerie c.art zeigt eine kleine, feine Retrospektive mit Werken von Lore Rhomberg (1923–2016).

DORNBIRN. (ag) An den roten Regenschirm, der das alleinige Motiv eines Aquarells aus den frühen 1960er-Jahren bildet und im Haus auf der Schwende ob Dornbirn, wo die Familie im Sommer jeweils einen Monat verbracht hat, einen fixen Platz hatte, erinnert sich Martin Rhomberg auch heute noch genau. Mit fast jeder Arbeit, die in der aktuellen Ausstellung in der Dornbirner Galerie c.art zu sehen ist, verbindet der Sohn der im vergangenen Jahr verstorbenen Dornbirner Malerin Lore Rhomberg eine Erinnerung, hat er das Schaffen der Mutter doch über die Jahre, bis hin zum Spätwerk, wo die Malerin unübersehbar auf dem Sprung in die Abstraktion war, verfolgt.

Liebe zur Natur

Zuletzt 2013 in größerem Rahmen, zu ihrem 90. Geburtstag, im Angelika Kauff­mann Museum in Schwarzenberg ausgestellt, nehmen die figürlichen Aquarelle der Wasserfarbenmalerin im Programm der Galerie c.art, der Lore Rhomberg über die Jahre treu blieb, fast Exotenstatus ein. Duftig, in leuchtenden Tönen und intensiver Farbkraft, transparent und vom Licht gespeist, spontan gesetzt und lebendig in der Wirkung, leicht und doch von einer unglaublichen Präzision, was Anschauung und Umsetzung anbelangt, hat Lore Rhomberg ihr Handwerk an den Akademien in München und Stuttgart erlernt. Die Liebe und Verbundenheit zur Natur, zu den Bergen und Pflanzen hat sie von ihrem Vater, einem Jäger, mitbekommen, und so waren auch die Sujets, der geliebte Bregenzerwald als Wahlheimat, das Lieblingsblumenbeet vor dem Haus, Bäume und Blumensträuße klar vorgegeben. „Menschen hat sie eigentlich nie gemalt. Auch von uns Kindern gibt es nur einige wenige Porträts“, sagt Martin Rhomberg. Aber auch die Musik war ihr eine stete Quelle der Inspiration, wie der Werkzyklus „Eine Alpen­sinfonie nach Richard Strauss“ beweist, der zwischen 1982 und 1984 entstanden ist und einen vorläufigen Höhepunkt im Werk markierte.

Zu den typischen Motiven der Aquarelle in der Ausstellung, wie den Enzianen, die in einer blauen Wolke verfließen, oder dem zarten und doch kräftigen Wiesenstrauß, gesellt sich auch ein „Blumenbild“ mit stark expressionistischen Zügen in Öl auf Leinwand von 1960. Nachdem die Ölmalerei der Künstlerin zu zeitaufwendig wurde, verlagerte sie ihren Fokus zunehmend auf das Aquarell und hat in dieser Disziplin zu ihrem ganz eigenen Duktus gefunden. Die Entwicklung vom noch stark gegenständlich geprägten Frühwerk zu den selbstbewussten, reduzierten, von sicherem Strich getragenen Setzungen der letzten Jahre lässt sich selbst im kleinen Schaffensausschnitt, den die Galerie c.art präsentiert, verfolgen. Bis zuletzt oder gerade zuletzt hat Lore Rhomberg, die sich ihren unbestechlich scharfen Blick und ihren Respekt vor der Natur bewahrt hat, die Freiheit im Bild im Aquarell und in Farben, die nicht verblassen, gefunden.

Die Ausstellung ist in der Galerie
c.art, Marktstraße 45, in Dornbirn, bis 27. Mai geöffnet, Di bis Fr 9 bis 12 und 15 bis 18 Uhr, Sa 10 bis 12 Uhr.