Hier Wienwoche, dort gute Kunst

26.04.2017 • 20:19 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Als Vorarlberger Schüler kennt man die Wienwoche als beliebten Ausflug in die Bundeshauptstadt, der dem staatsbürgerlichen Auftrag dient, das, was ein Berg trennt, durch abendliches geheimes Ausrücken aus angemieteten Studentenheimzimmern inklusive Alkoholexzess und Abenteuer mit dem anderen Geschlecht zu verbinden. Die Wienwoche ist aber auch seit nunmehr fünf Jahren eine unbemerkt von Publikum und Öffentlichkeit stattfindende „grüne“ Wiener Kulturveranstaltung. Ihre letzte Auflage fand unter dem gutgemeinten Titel „Forever together“ statt.

Gegen das Motto „Immer gemeinsam“ ist nichts zu sagen. Letztlich wollen alle vernünftigen Menschen friedlich miteinander leben, nur der Weg dorthin ist strittig. Ob aber auf die Krise der Grenzen des Nationalstaats und des Kapitalismus, wie Organisatoren der Wienwoche glauben, die Kunst die richtige Antwort geben kann, sei mehr als hinterfragt. Die Einladungspolitik der Wienwoche legt jedenfalls nahe, dass nur Antworten genehm sind, die ins ideologisch verengte grüne Kulturkonzept oder besser -korsett passen, die Qualität künstlerischer Werke steht dabei jedenfalls nicht im Vordergrund.

Mit Sozialkitsch und Schultergeklopfe unter Gleichgesinnten lassen sich die Krisen der Welt nicht lösen, bestenfalls lässt sich jedoch mit viel Steuergeld (nahezu einer halben Million Euro) der eigene Klüngel befriedigen.

Kunst und Künstler, Spitzenleistungen, Querdenker und Besserkönner sind dabei den Grünen suspekt. Da wird lieber basisdemokratisch herumgewurschtelt. Dass dabei die Kunst aus der Kultur vertrieben wird, schert die grünen Biedermänner nicht.

Zuspruch erhält, was antielitär und pseudopolitisch daherkommt, wie im Falle eines stumpfsinniges Rating-Marathons als Computerspiel bis hin zum folkloristischen Spaziergang auf den Spuren von Gastarbeitern.

Das erklärt auch, dass Besucherzahlen im Kunstbericht der Stadt Wien vornehm verschwiegen werden. Inzwischen kritisierte auch der Rechnungshof die Kosten der Wienwoche. Insbesonders wurde die Anhebung der Marketingkosten hinterfragt, die sich nicht in steigender Publikumsresonanz niederschlugen. Was als Morgengabe für die rot-grüne Koalition geschaffen wurde, gehört gerade im Sinne der kleinen Kunstinstitutionen, die für gute Kunst um jeden Cent ringen, längst abgeschafft.

Und merke: Wenn Josef Beuys einst meinte, jeder Mensch sei ein Künstler, so meinte er nicht, dass jeder Mensch ein Maler, Bildhauer, Regisseur oder Schauspieler sei. Jeder Mensch solle das tun, was er am besten kann, das muss, wie die grüne Wienwoche zeigt, nicht unbedingt Kunst sein. Gottseidank.

Letztlich wollen alle vernünftigen Menschen friedlich miteinander leben, nur der Weg dorthin ist strittig.

gerald.matt@vn.at
Dr. Gerald Matt ist Kulturmanager und unterrichtet
an der Universität für Angewandte Kunst in Wien.