Lauter kleine Summen, aber ein großes Thema

26.04.2017 • 20:19 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Kunst wird angekauft, der Ausbau und die Öffnung des Depots sind aber in weitere Ferne gerückt. Foto: VN
Kunst wird angekauft, der Ausbau und die Öffnung des Depots sind aber in weitere Ferne gerückt. Foto: VN

90.000 Euro gibt das Land Vorarlberg pro Jahr für Ankäufe von Kunstwerken aus.

Christa Dietrich

Bregenz. Das Ritual hat sich eingespielt, es sind immer zwei Personen, die jeweils drei Jahre unterwegs sind, um die Kunstsammlungen des Landes zu bereichern. Die zur Verfügung stehende Summe beträgt mittlerweile 90.000 Euro. Zwei Jahre zusammenzulegen, um einmal etwas Größeres zu kaufen, ist nicht drin. Wer sich die Liste der letzten Jahre ansieht, entdeckt viele kleine Summen und gelegentlich einen Ausreißer. Dabei wird es bleiben. Und auch die Transparenz ist gewährleistet. Die Ankäufe selbst sind mit Künstlernamen und Preis im Kulturbericht offengelegt, nicht aber die Gründe. 

Fahrlässigkeit

Befragt man die Künstler nach den Erfahrungen mit den Ankäufern selbst, ist es nicht so sehr die Ablehnung, die aufregt, sondern vielmehr das Hingehaltenwerden. Atelierbesuche des erlauchten Ankäuferpaares, denen dann monatelang weder ein Ja noch ein Nein folgen, sind in einem Umfeld, in dem die Preise einerseits horrend steigen, viele gute Künstler sich aber sehr schwer tun, überhaupt einen seriösen Galeristen zu finden, zusätzlich zermürbend. Nicht immer erhalten qualifizierte Persönlichkeiten diese Aufgabe. Die zurzeit tätigen Ankäufer, nämlich die junge Kunstvermittlerin Claudia Voit und Peter Niedermair, ein Urgestein des Vorarlberger Kulturlebens, dürften bereits in der ersten Halbzeit viel richtig gemacht haben. Auch Andreas Rudigier, Direktor des Vorarlberg Museum in Bregenz, spricht von einer guten Zusammenarbeit und der Bereitschaft zur Kommunikation. Was logisch scheint, wurde in den Jahren zuvor nicht praktiziert. Obwohl das Museum die angekauften Werke schließlich verwaltet und gegebenenfalls zeigt, hatten die dort beschäftigten Kunsthistoriker weder Mitsprache- noch Beratungsmöglichkeit. Diese Fahrlässigkeit im Bereich der Kunstförderung, die zu großen Lücken in der Sammlung führte oder zur Tatsache, dass man die Qualität eines Künstlers nicht abbilden kann, weil ausgerechnet die entsprechenden Werke vom Ankaufsteam übersehen wurden, scheint gestoppt zu sein.

Nichtsdestrotrotz war das Museum in letzter Zeit auch bemüht, gegebenenfalls Serien zu komplettieren, auf die das Ankaufsteam der Kulturabteilung des Landes (das Entscheidungen mitunter auch aus sozialen Gründen trifft) keine Rücksicht genommen hatte. Dabei hat es das Museumsteam ungleich schwerer. Der Fokus liegt hier zwar beim 20. Jahrhundert, grundsätzlich seien aber 10.000 Jahre Kulturgeschichte zu berücksichtigen, umschreibt Rudigier seinen Radius.

Wohin damit?

Wirklich wahrzunehmen ist die Kunstsammlung des Landes in Vorarlberg, wo es keine wie auch immer betitelte Landesgalerie gibt, nicht. In den Ausstellungen des Vorarlberg Museum sind Arbeiten aus dem Bereich der bildenden Kunst vereinzelt dazwischengestreut, die Errichtung eines Schaudepots hat laut Winfried Nussbaummüller, dem Leiter der Kulturabteilung des Landes, nun doch keine Priorität. Andreas Rudigier, der seine eigene Ankaufssumme, die er aus dem Gesamtbudget für das Haus abzweigt, mit 40.000 bis 60.000 Euro beziffert, will das so nicht einfach hinnehmen. Für ihn ist die Depotausweitung eine Notwendigkeit, das heißt, auch für die alte Kunst ein wichtiges Thema, an dem er dranbleiben will.

Die Kommunikationsbereitschaft der Ankäufer des Landes mit dem Museum ist nun gegeben.

VM-Dir. Andreas Rudigier

Ausstellung zu neuen Ankäufen des Landes vom 28. April bis 11. Juni bei „allerArt“ in der Remise Bludenz. Diskussion am 27. April, 20 Uhr.