Musiktipps. Von Fritz Jurmann

28.03.2017 • 20:53 Uhr / 5 Minuten Lesezeit

KÜNSTLER: Die Schurken

ALBUM: Odyssée

LABEL: www.dieschurken.at (2 CDs)

Wenn es eine optimale Verbindung aus geistvoll-witziger Unterhaltung und höchster instrumentaler Virtuosität gibt: man findet sie als Markenzeichen der „Schurken“, der 2004 gegründeten Spezialformation für kluge Musikvermittlung für Kinder jeden Alters in mittlerweile über 700 Konzerten. Martin Schelling, Klarinette, Stefan Dünser, Trompete, Martin Deuring, Kontrabass, und Goran Kovacevic, Akkordeon, sind eine verschworene Truppe von Urmusikanten, die sich hier im Programm Odyssée „auf der Suche nach der schönsten Musik“ unverfroren durch ihren Spagat aus Klassik und Weltmusik fantasieren, von Schulze bis Schubert. Da ist kein Stil und kein Stück vor ihnen sicher, bleibt kein Auge trocken und der Erfolg nicht aus. Nach dem Lucerne Festival wird nun die Elbphilharmonie in Hamburg erobert. Bei uns sind sie erst am 23. November in Lustenau zu hören, mit der Premiere ihres neuen Programms „Satisfraktion“.

 

KÜNSTLER: Jonas Kaufmann, Tenor, Wiener Philharmoniker, Dir. Jonathan Nott

ALBUM: Mahler: „Das Lied von der Erde“

LABEL: SONY Classical

Der Münchner Jonas Kaufmann hat mit Bizets Blumenarie aus „Carmen“ und mit Lehár beim Wiener Opernball klargestellt, dass er nach seinem Absagemarathon im Vorjahr infolge stimmlicher Probleme wieder unangefochten im Olymp der Tenöre residiert. Auch seine aktuelle CD lässt bei Gustav Mahlers extrovertiertem „Lied von der Erde“ (1908) keinerlei Zweifel am ungetrübten Glanz seiner strahlenden Höhe und der damit verbundenen Erotik einer leicht baritonalen Färbung.

Diese kommt ihm auch in einem bislang einzigartigen Kraftakt zugute, wenn Kaufmann hier erstmals alle eigentlich abwechselnd für hohe und tiefe Stimme komponierten sechs Teile des einstündigen Werkes selber absolut überzeugend singt und damit ein kluges Stück Interpretationsgeschichte schreibt. Die Wiener Philharmoniker breiten dazu im Dialog einen farbenreich schillernden, satten Klangteppich aus, der Mahlers Ideal in höchster Weise gerecht wird.

KÜNSTLER: Filippa Gojo Quartett

ALBUM: Seesucht

LABEL: jazzhaus records

„Von Nah- und Fernweh“ präzisiert die gebürtige Bregenzerin Filippa Gojo (28) den Titel ihres vielleicht persönlichsten CD-Porträts „Seesucht“. Dabei ist es unter diesen Sehnsüchten eigentlich das Heimweh, das sich die in Köln lebende Vokalistin oft im heimatlichen Dialekt und mit einer starken Palette an musikalischen und lyrischen Ausdrucksmöglichkeiten von der Seele geschrieben hat. Filippa macht daraus mit fantastischen stimmlichen Mitteln aus Tradition und Experiment, im dichten Einklang mit ihrer Kölner Band großes atmosphärisches Heimatkino im Kopf, jedoch ganz ohne jeden Anflug von Kitsch. Anleihen an Gauls „Do Mo trinkt bloach osom Bach“, an den Text „Försterhus“ von Heimatdichter Kaspar Hagen unterstreichen nur die Qualität ihrer eigenen Arbeiten. Originell: Im Booklet wird das „Breagazar Dütsch“ ins Hochdeutsche übersetzt, das Englische nicht. CD-Präsentation: 4. Mai, Vorarlberg Museum Bregenz.

 

KÜNSTLER: Peter Schmidl, Klarinette, Tamás Varga, Violoncello, Tomoko Okada, Klavier

ALBUM: Erzherzog Rudolph: Werke für Klarinette

LABEL/VERTRIEB: CAMERATA/Zappelmusic

Mit Werken für Klarinette von Erzherzog Rudolph bringt der Feldkircher CD-Vertrieb „Zappelmusic“ eine kammermusikalische Raritätensammlung auf den Markt. Der Sohn Kaiser Leopold II. war eine schillernde Persönlichkeit, die zunächst eine militärische Laufbahn anstrebte und später als Kardinal ein großer Freund und Förderer der Kunst wurde. Er spielte selbst Klavier und ließ sich ab 1808 in Wien von Beethoven unterrichten, der ihm zahlreiche Kompositionen widmete und von ihm gefördert wurde. Rudolphs Werke sind naturgemäß an den großen Lehrmeister angelehnt, entwickeln aber auch eigenständiges Profil. Vor allem sein Trio von 1814, das der langjährige Philharmoniker-Klarinettist Peter Schmidl als Ideengeber dieser CD mit seinem Cello-Kollegen Tamás Varga und der japanischen Pianistin Tomoko Okada in einem ausgewogen klassischen Geist spielt, gibt der Klarinette Gelegenheit, sich kantabel zu präsentieren.