Eine gewöhnliche oder ungewöhnliche Familie

28.04.2017 • 17:01 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
In ihrem neuen Roman „Schau mich an, wenn ich mit dir rede!“ schildert die Vorarlberger Schriftstellerin eine Patchwork-Familie.  Foto: VN
In ihrem neuen Roman „Schau mich an, wenn ich mit dir rede!“ schildert die Vorarlberger Schriftstellerin eine Patchwork-Familie.  Foto: VN

Monika Helfer skizziert ein ungeschminktes Bild eines Mädchens und dessen Umfeld.

Roman. Rasant und aus vielen Perspektiven wird in diesem Buch die Geschichte der etwa elfjährigen Genoveva, von allen Vev genannt, und ihren Angehörigen erzählt.

Vevs Familie bestand aus ihrem Vater Milan und ihrer Mutter Sonja. Dann kam die Scheidung und nun lebt Vev bei ihrem Vater, seiner Freundin Nati und deren zwei Mädchen Maja und Fritzi. Vev ist auf einen Schlag nicht nur mit einer neuen Stiefmutter, sondern auch noch mit zwei neuen Schwestern konfrontiert.

Milan ist Hausmann und da er bis jetzt noch nicht die richtige Arbeit für sich gefunden hat, lässt er sich finanziell von seiner Mutter helfen. Nati ist Krankenschwester und eine tüchtige Frau, die mit Milan zusammen gerne ein Kind hätte. Allerdings möchte Milan kein weiteres Kind. Trotz des äußeren Scheins ist die Beziehung innerlich zerrissen. Milan liebt weder Nati noch deren Kinder und hat Affären.

Ungefähr alle zwei Wochen besucht Vev ihre Mutter Sonja, doch jedes Mal hat sie mit den Launen ihrer Mutter zu kämpfen und besucht sie daher nur ungern. Sonja ist eine schöne, komplizierte und drogenabhängige Frau, die mal hier und mal dort lebt. Alles ändert sich, als sie Eric alias The Dude kennenlernt. The Dude sieht sich als Sonjas Retter und Beschützer. Er ist ein Halbkrimineller und ein Gutmensch, er möchte seiner Geliebten helfen und bietet ihr und Vev ein schönes Zuhause, wo sie sich geborgen fühlen können. So hat Vev zwei Orte, an denen sie zu Hause sein könnte. Doch eigentlich möchte sie einfach nur abhauen, etwa in die Schweiz.

Eine Gemeinschaft

In ihrem Roman „Schau mich an, wenn ich mit dir rede!“ schildert die Vorarlberger Schriftstellerin eine Patchwork-Familie. Ein Dreiergespann, das zerbrochen, wieder neu zusammengesetzt und sich dabei vergrößert hat. Der Blick auf die Charaktere zeigt offen ihre Empfindungen. Doch gleichzeitig lässt die Autorin die Leser mit viel Gefühl am Leben der Protagonisten teilhaben. Wie bei Helfers Buch „Der Mensch ist verschieden“, welches sie zusammen mit ihrem Mann Michael Köhlmeier verfasst hat, ist das vorliegende Werk eine Charakterstudie. Die Erzählung widmet sich jedoch auch dem Zusammenleben der unterschiedlichen Gemüter. Sie bilden eine Gemeinschaft, die nicht miteinander und genauso wenig ohne einander kann.

Monika, Helfer: „Schau mich an, wenn ich mit dir rede!“, Jung und Jung, 186 Seiten