Er ist Nomade mit der Welt als Atelier

Kultur / 12.05.2017 • 20:16 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Die Ausstellung von Adrián Villar Rojas ist ab Samstag zu sehen.  Foto: KUB/Feurstein
Die Ausstellung von Adrián Villar Rojas ist ab Samstag zu sehen. Foto: KUB/Feurstein

Bei „Star Wars“ denke man an die Filme und nicht an George Lucas, meint Villar Rojas.

BREGENZ. Gewichtig und groß ist sie, seine Kunst. Doch was der argentinische Künstler Adrián Villar Rojas aktuell im Kunsthaus Bregenz inszeniert, scheint die Grenzen des Machbaren bis zum Alleräußersten auszuloten. Genau das und zurück zu den Anfängen scheint die Intention des Künstlers gewesen zu sein, wenn er von der Reputation des Kunsthauses spricht, von früheren spektakulären Ausstellungen, wie jener von Olafur Eliasson, und dass das Haus in den letzten Jahren fast zu einer Ikone geworden sei.

Eine Überdosis Menschheit

An dieser Unantastbarkeit rüttelt Villar Rojas gehörig, Grenzen scheint es keine zu geben, wenn er sagt „Let‘s mess with the place and bring it to its limits“ („Los, dann fordern wir den Ort heraus und bringen ihn an sein Limit“), wenn er offenes Feuer, Tonnen von Marmor, gefakte Betonwände, zugebaute Transportlifte und verengte Durchgänge ins Spiel bringt. „Das Behältnis erzeugt Inhalt“, meint Villar Rojas. Wie ein „Parasit“ habe er sich im Haus eingenistet, sein Vorhaben immer noch weiter auf die Spitze getrieben. Dabei geholfen als ein wichtiger Bestandteil des Werks haben ihm seine Mitarbeiter, die er „Kollaborateure“, zuweilen auch „Schauspieler“ nennt, während Villar Rojas, der Theater und Film liebt, sich dort immer wieder Anleihen holt, sich selbst in der Rolle eines Regisseurs sieht. Die Bezeichnung Assistent dagegen hasse er, sagt der Bildhauer und Konzeptkünstler, für den Reisen und Kunst unabdingbar miteinander verbunden sind. „Im letzten Jahr, einem Sabbatical, bin ich zweimal um die Erde gereist. Auf meinen Reisen beobachte und dokumentiere ich viel, ich mache viele Fotos und Notizen, treffe an den verschiedensten Orten die unterschiedlichsten Leute, vom Studenten bis zum Arbeiter. Ich unterhalte kein Atelier, ich bin ein Nomade und die Welt ist mein Atelier“, so Villar Rojas. Was ihn am Reisen, wenn man wochenlang unterwegs ist, am meisten fasziniere, sei dieses Gefühl, als verstehe man plötzlich, wie die Welt funktioniere. „Das ist natürlich nur eine Illusion, eine Fantasie“, lacht der Künstler. „Es ist wie eine Droge, eine Überdosis Menschheit.“

Fragen, keine Antworten

Zeit und Vergänglichkeit, oder anders herum, das was von uns bleibt, sind Fragen, die Adrián Villar Rojas umtreiben. Was sich in handfestem, tonnenschwerem Material in Bregenz manifestiert, präsentiert der Künstler als jenen Blick, den ein Außerirdischer dereinst auf die Reste unserer Zivilisation werfen würde. Erfahrungen, die Gefühle wie Verwirrung, Neugier oder auch Angst hinterlassen, genieße er am meisten, sagt der Künstler. Dementsprechend gelte es, jene Orte, „an denen einem keiner sagt, was man zu tun hat, an denen diese Erfahrungen gemacht werden können, in denen wir uns selbst verlieren und vergessen können“ auszukosten und zu verteidigen.

„Ich trage diese Fragen vor, nicht die Antworten“, so Villar Rojas, den KUB-Kurator Rudolf Sagmeister als „trickster“ bezeichnet, und der an seinem eigenen „Verschwinden“ arbeitet. Das sei so wie bei Star Wars, wo man auch zuerst an die Filme denke und nicht gleich an George Lucas. Dass jedes seiner Werke in dislozierten Produktionen vor Ort und für den Ort entsteht, es keinen Fundus gibt, aus dem einfach verschifft wird, und von den Ausstellungen auch nichts übrig bleibt, die Arbeiten zum Teil dem Verfall preisgegeben sind, trägt aller manifesten Materialität zum Trotz ebenfalls zur intendierten Auflösung bei. Umso mehr, wenn Adrián Villar Rojas sagt: „Ich kann mir nicht vorstellen, diese Dinge auch noch in zehn Jahren zu machen. Ich mache sie jetzt.“ Befragt nach seiner Perspektive für die Zukunft meint er: „Es gibt viele Dinge, die ich einmal machen möchte. Was konkret, wird sich zeigen.“

Meine Kunst ist nicht gerade markttauglich. Oder wie verkauft man 50 Tonnen Marmor?

Adrián Villar Rojas

Zur Person

Adrián Villar Rojas

Geboren: 1980 in Rosario, Argentinien

Ausbildung: Studium in Rosario und Buenos Aires

Ausstellungen: u.a. 2011 bei der Biennale Venedig, 2012 bei der documenta in Kassel, Serpentine Sackler Gallery in London, Metropolitan Museum New York, Moderna Museet in Stockholm, Museum of Contemporary Art Los Angeles, Kunsthaus Bregenz

Auszeichnungen: Kunstpreis Zürich

Die Ausstellung ist im Kunsthaus Bregenz, in Bregenz, bis 27. August geöffnet, vom 13. Mai bis 30. Juni, Di bis So, 10 bis 18 Uhr, Do, 10 bis 20 Uhr, vom 1. Juli bis 27.August, jeweils Mo bis So, 10 bis 20 Uhr.