Geschichten rund um die „Weiber“

17.05.2017 • 17:39 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
„Uns verbindet eine große und wahrhaftige Freundschaft“, sagt Uli Brée über Markus Linder. Foto: Brée/Obex
„Uns verbindet eine große und wahrhaftige Freundschaft“, sagt Uli Brée über Markus Linder. Foto: Brée/Obex

Autor Uli Brée im VN-Interview über sein neues Projekt mit
Markus Linder.

Feldkirch. (VN) Der deutsch-österreichische Autor Uli Brée präsentiert gemeinsam mit dem Vorarlberger Kabarettisten Markus Linder das Stück „Weiberg’schichten und Weiberlieder“.

Sie zählen zu den renommiertesten Theater- und Fernsehautoren im deutschsprachigen Raum, haben Serien wie „Vier Frauen und ein Todesfall“ und die „Vorstadtweiber“ geschrieben und so manches „Tatort“-Drehbuch verfasst. Was macht einen erfolgreichen Drehbuchautor aus?

Brée: Abgesehen von einer hohen kreativen Disziplin und einer ebenso großen Freude am Schreiben ist es gut, wenn man das Handwerk beherrscht. Das, gepaart mit Talent, macht das Besondere aus. Wenn man allerdings noch eine Stufe weitergeht, dann wendet man genau dieses Handwerk nicht an. Klingt widersprüchlich, ist es aber nur bedingt. Die Zuschauer sind geübte Seher. Daher ist es mein Job, gewisse Vorhersehbarkeiten zu vermeiden, die Zuschauer zu überraschen und in die Irre zu führen. Oder wie es bei den „Vorstadtweibern“ immer wieder der Fall ist, die verlogenen Figuren plötzlich aufrichtig zu zeigen.

Ihr „Tatort“ mit Titel „Ausgelöscht“, der für den Grimme-Preis nominiert war, steht doch auch für eine neue Generation dieser erfolgreichen Reihe. Er ist härter, gesellschaftskritischer, realistischer. Was ist Ihr Anspruch an einen guten Krimi?

Brée: Ich schreibe in Sachen Krimi eigentlich nur den „Tatort“. Ansonsten langweilen mich die klassischen Krimis. Am Tatort mag ich, dass er gesellschaftsrelevante Themen aufgreift und sie mithilfe des Krimiplots transportiert.

Wir verdanken Ihnen Serien wie die „Vorstadtweiber“, die beim Zusehen viel Spaß machen, gerade weil die Frauenfiguren jegliche romantisch verklärte Weiblichkeit aufgeben und dabei lebenslustig und böse sind. Geht es Ihnen denn dabei auch um den Abbau von Geschlechterstereotypen?

Brée: Ach, ich zeige eigentlich nur Menschen mit all ihren Abgründen, Sehnsüchten und Fehlern. Vielleicht ein wenig auf die Spitze getrieben, damit es unterhält. In Wahrheit sind die Figuren in all ihren Verlogenheiten aufrichtiger als die vielen Leute um uns herum, die behaupten, nicht so zu sein. In den „Vorstadtweibern“ sehen vielleicht auch einige Menschen Geheimnisse, die sie manchmal auch gerne hätten. Aber mir geht es auch um den Abbau der Geschlechterstereotypen. Hier ist niemand nur gut und niemand nur böse. Damit wird dort schon aufgeräumt. Das mag ich an der Serie. Mich interessieren nur emotional nachvollziehbare Geschichten, logische Geschichten langweilen und haben nichts mit dem wahren Leben zu tun. Wir alle hätten vielleicht gerne, dass unser Leben logisch abläuft, aber dann kommt immer wieder alles anders als erwartet. Und das ist gut so.

Sie haben auch die Figur der Assistentin Bibi Fellner in den österreichischen „Tatort“-Folgen eingeführt. Fellner ist ebenfalls eine eher unkonventionelle Frau. Was haben Sie denn mit dieser Kombination von Kommissar Moritz Eisner und Bibi Fellner beabsichtigt?

Brée: Ich wollte eine gebrochene Figur erzählen, eine sensible Frau mit einer heftigen Geschichte im Hintergrund. Keine perfekte Ermittlerin, die sich über ihre Täter erhebt, sondern erahnen lässt, dass sie auch nicht perfekt ist, auch Fehler macht, auch Schwächen hat. Und ich wollte zwei Einsame zeigen, die eigentlich zusammengehören. Inzwischen hat sich eine schöne Tiefe zwischen den beiden entwickelt. Ich würde sie ja gern zusammen ins Bett legen, aber so weit sind wir noch nicht.

Im Theater am Saumarkt in Feldkirch präsentieren Sie ein Programm mit Markus Linder. Es ist aber nicht Ihre erste Zusammenarbeit. Was verbindet Sie beide?

Brée: Zunächst verbindet uns eine große und wahrhaftige Freundschaft. Abgesehen davon, dass er mein Ex-Schwippschwager ist. Es gibt nur wenige Menschen, die ich so schätze wie ihn. Er ist in meinen Augen nicht nur der größte Vorarlberger, den ich kenne (und das meine ich jetzt nicht nur im körperlichen Sinne), sondern auch ein wunderbarer, vielseitiger Künstler, der sich nie in den Vordergrund drängt, der anderen großzügig Raum gibt, der sich immer weiterentwickelt und auf dem Weg zu einer kreativen und menschlichen Weisheit ist. Er geht sehr aufmerksam durchs Leben und mit sich und anderen behutsam und schlau ins tolerante Gericht. Abgesehen davon spielt er seit vielen Jahren in „Vier Frauen und ein Todesfall“ den überaus umtriebigen Pfarrer auf selbstlose Art und Weise. Ich könnte mir niemand Besseren für diese Rolle vorstellen.

Eines Ihrer bekanntesten Kabarettprogramme hieß „Männer-Schmerzen“, aber nun sind es die „Weiberg’schichten“, die Sie beschäftigen. Worin besteht denn für Sie der Reiz dieses Themas?

Brée: Ganz einfach: Weil niemand die richtigen Antworten weiß und wir uns noch eine weitere Ewigkeit damit beschäftigen können, einander zu begreifen.

Welche „Weiberg’schichten & Weiberlieder“ werden denn zu hören sein?

Brée: Ich schreibe gerade an einem neuen Buch: „Schwindelfrei, 26 aufrichtige Weibergeschichten“. Aus diesem Buch trage ich frei Geschichten vor, Markus Linder wird die passenden Lieder beisteuern. Die Geschichten sind manchmal sehr lustig, dann wieder böse, mal poetisch. Ich glaube, wir finden uns alle darin wieder, ob wir wollen oder nicht. Davon abgesehen ergänzen Markus und ich uns ganz wunderbar auf der Bühne und ich hoffe, dass unser nächstes Programm von den Herren der Erschöpfung handelt.

Zur Person

Uli Brée

Drehbuchautor, Regisseur und Schauspieler

Geboren: 1964, Dinslaken, NRW

Wohnort: Mieming, Tirol

Laufbahn: zahlreiche Drehbücher für Filme und Fernsehserien, u. a. „Vorstadtweiber“, „Tatort“ etc.

Uli Brée & Markus Linder: „Weiberg’schichten und Weiberlieder“ am 23. und 31. Mai, jeweils 20.15 Uhr im Theater am Saumarkt in Feldkirch.