Ikonen der Kunst, Aufbruch und Abstieg

Kultur / 02.06.2017 • 21:50 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Kasimir Malewitsch:
Kasimir Malewitsch: “Suprematistische Komposition”, 1915

Die Schweizer Hauptstadt widmet sich aus gutem Grund ausführlich dem Thema Revolution.

Bern. (VN-cd) Themenausstellungen sind zwar nicht so medienwirksam wie so manche Retrospektive, dass sich zwei Institutionen in der Schweiz nun, hundert Jahre nach dem Beginn der Oktoberrevolution im Jahr 1917 in Russland, dem Thema Revolution widmen, verdient Aufmerksamkeit. Dass Malewitsch bereits im Jahr 1915 mit seinem berühmten „Schwarzen Quadrat“ die Kunst auf einen Nullpunkt zurückführte, um sie quasi neu entstehen zu lassen, begründete nicht nur die Abstraktion, sondern auch den Konstruktivismus. Bestens nachgezeichnet und fortgeführt bis zum späteren Bauhaus oder Donald Judd und Dan Flavin wird das in jenem Teil der Ausstellung „Die Revolution ist tot. Lang lebe die Revolution“ gezeigt, die im Kunstzentrum Paul Klee in Bern zu sehen ist.

Die Vorstellung der damaligen Protagonisten davon, dass die Kunst das ganze Leben durchziehen sollte, konnten Teilnehmer einer VN-Erlebnisreise insbesonders bestens erfassen, weil Thomas Soraperra, der aus Vorarlberg stammende kaufmännische Direktor des Kunstmuseums Bern und des Zentrum Paul Klee die Thematik im Rahmen eines Gesprächs ausführlich erläuterte.

Vereinnahmung

Die Ausstellung mit einigen Ikonen der Kunstgeschichte bleibt empfehlenswert wie das Katalogbuch. Bern tut sich vor allem auch damit hervor, dass auch dem radikalen Ende dieses Aufbruchs Raum gegeben wurde. In selten zu sehenden Arbeiten aus dem Sozialistischen Realismus, auch von Künstlern der DDR und BRD wie Jörg Immendorff und Georg Baselitz oder Willi Sitte zeigt sich, wie die Kunst von der Politik vereinnahmt wurde und wie sich Künstler mitunter äußerst subtil dieser Vereinnahmen entzogen haben. Die Schweiz nimmt auch in der Geschichte des Sozialismus oder Kommunismus eine besondere Bedeutung ein. Schon vor der erwähnten Revolution befanden sich Denker bzw. Anarchisten oder Revolutionäre in der Schweiz. So ist zwar die legendäre Zugfahrt von Lenin den meisten bekannt, nicht aber die Tatsache, dass Bakunin in der Nähe von Bern begraben liegt oder dass weittragende oder folgenwirksame Zusammenkünfte von Reformern einst in der Nähe der Schweizer Hauptstadt stattgefunden haben.

Direktor Thomas Soraperra mit Teilnehmern der VN-Erlebnisreise im Zentrum Paul Klee in Bern. FotoS: VN/CS, CD
Direktor Thomas Soraperra mit Teilnehmern der VN-Erlebnisreise im Zentrum Paul Klee in Bern. FotoS: VN/CS, CD

Die Revolution-Ausstellung im Zentrum Paul Klee und im Kunstmuseum Bern ist bis 9. Juli geöffnet: www.kunstmuseumbern.ch

Du hast einen Tipp für die VN Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@vn.at.