Rache ist abgegriffen, also geht es ums Geld

Kultur / 02.06.2017 • 19:07 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Christian Mähr las aus seinem neuen Roman bei Russmedia in Schwarzach.  Foto: VN/Paulitsch
Christian Mähr las aus seinem neuen Roman bei Russmedia in Schwarzach.  Foto: VN/Paulitsch

Und für die Liebe findet der Vorarlberger Christian Mähr immer noch eine trocken-humorvolle Möglichkeit.

roman. (VN-cd) Nein, es handle sich nicht um den amtierenden Bürgermeister von Feldkirch, den er da wenig schmeichelhaft skizziert; dass es wirklich zwei Künstlervereinigungen in Vorarlberg gibt, die etwas in Konkurrenz zueinanderstehen, wie er es in „Aber das Bild war noch da“ beschreibt, wusste er nicht, und überhaupt hat er beim Titel auch nicht an Goethes „Über Kunst und Altertum“ gedacht, den Titel legte der Verlag fest. Er passt.

Der Vorarlberger Schriftsteller Christian Mähr, ein ausgebildeter Chemiker, hat jüngst seinen neuen Roman „Aber das Bild war noch da“ bei Russmedia in Schwarzach im Rahmen einer Lesung präsentiert und Fragen beantwortet. Die Beobachtungsgabe, der feine Humor sowie Mährs Genauigkeit bei der Berücksichtigung historischer Ereignisse oder naturwissenschaftlicher Mechanismen sind längst bekannt, kamen vor allem im verfilmten Roman „Alles Fleisch ist Gras“ oder im Vorgänger „Knochenkochen“ zum Tragen. In „Aber das Bild war noch da“ tangiert der Autor die Kunstszene, verirrt sich darin aber keineswegs. An sich resultiert die kriminelle Energie, die seine Figuren entwickeln, ja doch aus der Gier, die er auch hinter alltäglichen Fassaden ausmacht. Hier liegen die besonderen Stärken seines Romans mit Personen, die keine Psychopathen sind, auch nicht schrullig daherkommen. Seine Eheleute, der Künstler und die Käufer, der Schriftsteller und der Politiker sind keineswegs liebenswert, auch nicht böse, zwar unsympathisch, aber fassbar und ein wenig unheimlich. Mähr schont keinen, urteilt aber nicht einfach ab. Er mag im Übrigen keine Kriminalromane, in denen es darum geht, den oder die Täter ausfindig zu machen und erachtet das Motiv Rache als abgegriffen. Diesbezüglich dürfte er viele Gleichgesinnte haben, die er – einfach herausgesagt – anspruchsvoll unterhält.

Rache ist abgegriffen, also geht es ums Geld

Christian Mähr: „Aber das Bild war noch da“, Verlag Wortreich,
308 Seiten.

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