Wie ein dicker Wal zum Tanzfestival kommt

Kultur / 02.06.2017 • 21:50 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Szene aus „Candys camouflage“ von Chris Haring, dessen Ensemble wieder an den Dornbirner Spielboden kommt. Foto: Spielboden/Liquid Loft
Szene aus „Candys camouflage“ von Chris Haring, dessen Ensemble wieder an den Dornbirner Spielboden kommt. Foto: Spielboden/Liquid Loft

Natur und der Selbst­optimierungskult bilden den Spannungsbogen beim „Tanz ist“-Festival.

Dornbirn. (VN) „Die meisten Jugendlichen wissen nicht mehr, wer Marlene Dietrich war, aber sie kennen die Geschichte über Moby Dick“, meint Günter Marinelli, der wiederum das „Tanz ist“-Festival am Dornbirner Spielboden verantwortet, dessen Bandbreite sich heuer sozusagen von Moby Dick bis Andy Warhol erstreckt. James Wilton, mit dem das Festival am 8. Juni beginnt, greift in „Leviathan“ aktuelle Themen auf. Marinelli: „Ein vermeintliches Monster wird geschaffen, um so die Zerstörung der Natur und unserer Ressourcen zu legitimieren. In keinem anderen Geschöpf als dem Wal manifestiert sich symbolisch unser lebensverachtender Umgang mit den Geschöpfen auf unserem Planeten.“

Bei einem Doppelabend mit einem Talent aus Finnland, nämlich Anni Kaila, und mit dem Philippinen Cat Jimenez werden, choreografiert von Elip Gervasi, urbane Tanzformen wie Hip Hop und Street Dance kunstgerecht erweitert, sowie literarische Texte als choreografisches Instrumentarium verwendet. Im Mittelpunkt steht, so Marinelli, die Beziehung des Menschen zu seiner Umwelt.

Chris Haring

Selbstdarstellung und Selbst­optimierungskult ist in den letzten Jahren ein wichtiger Themenschwerpunkt des Festivals. Dabei bezieht sich die diesjährige Produktion „Candys Camouflage“ des Ensembles Liquid Loft des Östereichers Chris Haring auf Andy Warhols frühes Filmschaffen und seine Zukunftsvision über die Darstellungssucht unserer Gegenwart. „Der Selbstoptimierungskult treibt immer skurrilere Blüten“, bemerkt Marinelli und fokussiert dabei das Thema auf eine Frage: „Zerstört und verdeckt das immer perfektere Täuschen unsere Identität?“. In das Festival miteingebunden werden zahlreiche Jugendliche aus Vorarlberg und Lindau.

Wir leiden und sind fasziniert. Der Selbst­optimierungskult treibt immer skurrilere Blüten.

Günter Marinelli

Die Workshops sind bereits im Gange, das Tanz ist-Festival findet vom 8. bis 17. Juni im Spielboden am Dornbirn statt.

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