Theaterprojekt ohne Autorin

Kultur / 05.06.2017 • 21:19 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
„Ein langes Jahr“ von Eva Schmidt kam auf die Shortlist für den Deutschen Buchpreis. Foto: Lisa Mathis
„Ein langes Jahr“ von Eva Schmidt kam auf die Shortlist für den Deutschen Buchpreis. Foto: Lisa Mathis

Was das Landestheater aus „Ein langes Jahr“ macht, ist selbst für Eva Schmidt unklar.

Bregenz. Bereits preisgekrönte Werke oder Texte von Autoren mit gut bekanntem Namen sind für ein Theaterunternehmen eine gute Möglichkeit, Publikumsinteresse zu lukrieren. Die Art, die das Landestheater dabei an den Tag legt, ist allerdings auch dann als etwas befremdlich zu bezeichnen, wenn Eva Schmidt, Autorin des Romans „Ein langes Jahr“, auf die gestrige Anfrage der VN völlig entspannt und gelassen erklärt, leider keine Ahnung zu haben, was es mit „Balkone und Hunde“ auf sich hat. Unter diesem Titel offeriert Intendant Alexander Kubelka ab 7. Juni einen literarischen Spaziergang basierend auf dem Text, mit dem die Bregenzer Schriftstellerin im vergangenen Jahr nach langer Abwesenheit auf die Literaturbühne zurückgekehrt ist und sofort auf die Shortlist zum renommierten Deutschen Buchpreis kam. Der Roman wurde von Literaturexperten somit unter die sechs besten Neuerscheinungen der Saison gereiht. Sie erzähle „nichts Spektakuläres, das aber auf sehr elegante Weise“, lautete das Juryurteil über die Episoden aus dem Alltag, die aus verschiedenen Perspektiven erzählt werden.

Erfolgsgeschichte

„Ein langes Jahr“ ist mittlerweile eine Erfolgsgeschichte, die fünfte Auflage liegt in den Buchhandlungen. Der Verlag Jung und Jung hatte Eva Schmidt über die Anfrage des Vorarlberger Landestheaters informiert. Die Autorin hielt bei diesem Gespräch fest, dass sie keine Dialogfassung ihrer Texte akzeptieren würde, weil eine solche nicht funktioniere. Vom Theater hörte sie absolut nichts mehr, jedenfalls nahm weder der Intendant, noch jemand aus dem Dramaturgen- oder Regieteam mit ihr Kontakt auf.

Bis zum späten gestrigen Nachmittag. Ob Gedankenübertragung oder nicht, kurz nach dem VN-Gespräch mit Eva Schmidt und einige Wochen nachdem das Landestheater die Produktion unter dem Titel „Balkone und Hunde“ als „theatralen Stadtspaziergang“ ankündigte, rief Regisseurin Nina Stix bei Eva Schmidt an, um zu fragen, ob sie denn zur Premiere komme.

Was sie dort erwartet, kündigt das Theater als Neuentdeckung bekannter Orte an. Dass „Ein langes Jahr“ in einer Stadt am See bzw. in Bregenz spielt, wird ortskundigen Lesern zwar rasch klar, konkret benannt wird allerdings keiner der Schauplätze. Von Bedeutung sind die Orte, wie Schmidt gegenüber den VN betont, auch nicht.

Ein weiterer Roman

Literaturfreunde lassen sich demnächst also per Audioguide durch die Stadt führen, ihnen sei geraten, Eva Schmidts Buch am besten gleich auch selbst in die Hand zu nehmen, um die feine Sprache auf sich wirken zu lassen. Bis ein weiterer Roman erscheint, wird es nämlich noch gut ein Jahr dauern. Aber immerhin, die Autorin, die mit „Ein Vergleich mit dem Leben“ vor Jahrzehnten auffiel und nun für den Deutschen Buchpreis in Frage kam, den der Vorarlberger Arno Geiger im ersten Jahr gewann und für den Michael Köhlmeier ebenfalls bereits nominiert war, schreibt an einem weiteren Buch.

Eine tragische Familiengeschichte wird es werden. Von einem Paar, das Pflegekinder betreut, und von einem schwer zu klärenden Todesfall wird das Werk handeln. Daneben hat Eva Schmidt weitere Kurzgeschichten verfasst. Die Erscheinungsform ist noch Verhandlungsgegenstand mit dem Verlag.

Ich schreibe gerade an einer tragischen Familiengeschichte.

Eva Schmidt

Premiere von „Balkone und Hunde“ am 7. Juni, ab 18 Uhr bis 21 Uhr, Start ist bei der Alten Post in Bregenz: www.landestheater.org

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