Begegnung mit einer martialischen Kunstmaschine

Kultur / 13.06.2017 • 20:07 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der Wiener Medienkünstler Leo Peschta tritt den Beweis an, dass Roboter nicht immer nützlich sein müssen. Foto: AG
Der Wiener Medienkünstler Leo Peschta tritt den Beweis an, dass Roboter nicht immer nützlich sein müssen. Foto: AG

Die Roboter des Medienkünstlers Leo Peschta vermessen die Galerie Lisi Hämmerle.

BREGENZ. Seit Maschinen dem Menschen Arbeit abnehmen, träumen wir den Traum vom diskreten, anspruchslosen, allzeit bereiten Helferlein im Alltag, dem Assistenten, der ohne zu ermüden seine Dienste verrichtet. Aber wer sagt eigentlich, dass Roboter nützlich sein müssen? In der Galerie Lisi Hämmerle tritt der Wiener Medienkünstler Leo Peschta quasi den Gegenbeweis an.

Hochsymmetrisch

Wenn Leo Peschta über seinen „Zermesser“ redet, dann spricht er eigentlich über Bildhauerei, denn es geht um Formfindung. Der „Zermesser“ ist aber eine Maschine, eine elektromechanische Skulptur von 2007, deren Zweck es ist, in einem fortwährenden Prozess den Raum auszuloten, zu vermessen und sich wieder neu zu positionieren. Das sieht weder niedlich aus, noch passiert es vorsichtig oder zärtlich, sondern hinterlässt Schrammen im Raum. Der brachiale Beiklang, den der Titel mitbringt, kommt also nicht von ungefähr. Auch was die Ästhetik der komplett selbst gefertigten und programmierten Werke anbelangt, herrschen klare Verhältnisse. Pure, fast rohe Materialität anstelle des verspielten Versuchs, uns einzureden, dass Roboter menschenähnliche Wesen sein könnten.

Bewegung im Raum

Die Ausgangsform des „Zermessers“, den Leo Peschta als „autarken, Raum greifenden Körper“ beschreibt, ist ein regulärer Tetraeder. Ein hochsymmetrisches Objekt, das seine perfekte Symmetrie durch Bewegung im Raum zu brechen imstande ist und die Kategorie klassische Skulptur um Aspekte wie Masse, Energie und Zeitgestalt erweitert. Surrend von Motoren angetrieben, mit jeweils eigener Stromversorgung und Mikrokontroller ausgerüstet, agiert und reagiert jedes Seitenteil für sich, bestimmt seine Ausbreitung, um aber zugleich auch als Einheit zu wirken. Die ideale Position, die angestrebt wird, kann nur Illusion sein, denn mit jedem Abschalten der Maschine gehen die Daten verloren und die Skulptur beginnt erneut, in ihrer eigentümlichen Choreografie die Grenzen ihrer Welt abzutasten. Während eine Neonröhre, die ihr eigenes Licht nicht zu ertragen scheint, sich in einem selbstbeklebenden Vorgang in blaues Isolierband verpuppt, geht es in der kinetischen Skulptur „17.40 – 18.40“ wieder um Bewegung im Raum. Schwarze Carbonrohre, verbunden durch filigrane, gelenkartige Messingteile, in höchster handwerklicher, an ein Uhrwerk gemahnenden Präzision vom Künstler selbst gefertigt, geben anhand der aufgezeichneten Handy-GPS-Daten einen einstündigen Spaziergang durch die Stadt wieder.

Schwebend wie ein Mobile aufgehängt, fast eine Zeichnung im Raum, lässt Leo Peschta Bewegung und Zeit in die Skulptur einfließen. Eine Armada von kleinen Klopfrobotern, zum Drum-Orchester vereint, elektromechanischer Kopf- und Halsschmuck aus Silber und der äußerlich martialisch anmutende Helm des beinahe schon poetischen „Windrecorders“ ergänzen eine Ausstellung, die Kunst und Maschine miteinander verschmelzen lässt.

Zur Person

Leo Peschta

Geboren: 1978 in Wien

Wohnort: Wien

Ausbildung: Ausbildung zum Fotograf und Grafikdesigner, Studium digitale Kunst an der Universität für angewandte Kunst in Wien

Laufbahn: zahlreiche internationale Ausstellungen, u. a. in Berlin, London, Paris, Dublin, Peking

Auszeichnungen: österreichisches Staatsstipendium 2017, Heinrich-Klotz Stipendium, robots-choice-award Dublin u. a.

Die Ausstellung ist in der Galerie Lisi Hämmerle in Bregenz, Anton-Schneider-Straße 4a, bis 22. Juli geöffnet, Mi bis Fr, 15 bis 19 Uhr,
Sa, 16 bis 19 Uhr.