Peinliche Altlasten beseitigen und neue Ausstellungsprojekte umsetzen

Kultur / 19.06.2017 • 21:56 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
VN-Bericht vom 17. Juni 2017.
VN-Bericht vom 17. Juni 2017.

Jüngste Vorfälle um wertvolle Wacker-Bilder befeuern auch das Thema Depot-Ausbau.

Bregenz. Wenn heute in Wien das 1938 geschaffene Gemälde „Herbststrauß mit Falter“ des Vorarlberger Künstlers Rudolf Wacker (1893-1939) mit einem Schätzwert von 150.000 bis 300.000 Euro zur Versteigerung kommt, so handelt es sich um jenes Werk, das einmal der Öffentlichkeit gehörte und einem Landesbeamten bei der Verabschiedung in den Ruhestand zum Geschenk gemacht wurde. Der Vorfall liegt, wie die VN berichteten, Jahrzehnte zurück. Von allen Seiten, das heißt im Amt der Landesregierung und im Vorarlberg Museum, wird bescheinigt, dass Derartiges heute nicht mehr vorkommen würde, Winfried Nussbaummüller, Leiter der Kulturabteilung des Landes, kennt aber auch einen Aktenvermerk seines Vorgängers Werner Grabher, aus dem hervorgeht, dass dieser bemüht war, „derlei Geschichten“ aufzuarbeiten. Was sagt uns das? Erstens, womöglich war das gar kein absoluter Einzelfall und zweitens, Katalogisierung und Digitalisierung alter Sammlungsbestände sind noch lange nicht erledigt.

Dass die Beseitigung peinlicher Altlasten notwendig ist, zeigt aber auch der zweite, ebenfalls von den VN thematisierte Fall, bei dem es um mehrere Gemälde von Rudolf Wacker geht, die dem Museum in den frühen 1960er-Jahren von einem privaten Sammler „zur Verwahrung“ überlassen wurden. Die Kiste als Relikt aus diesem Akt, den eine professionelle Museumsarbeit gar nicht vorsieht, ist erst vor wenigen Jahren aufgefallen, wurde den Erben des einstigen Besitzers ausgehändigt und enthielt neben einem Hauptwerk, das jüngst bei einer Auktion einen Preis von rund 550.000 Euro erreichte, wie nun von den VN ermittelt werden konnte, auch ein sehr frühes, besonderes Selbstporträt, interessante Zeichnungen und Bildnisse, die Wackers Frau Ilse zeigen. Die Schätze, von denen niemand oder nur wenige etwas wussten und deshalb auch Wacker-Forscher Rudolf Sagmeister nicht zugänglich waren, wechselten mittlerweile zum Teil die privaten Besitzer.

Wacker-Projekt angedacht

Dass keines der Werke für das Vorarlberg Museum zu erwerben war, ist weniger erfreulich. Positiv stimmt die Tatsache, dass Kunsthistoriker und weitere Experten, darunter Felder-Archiv-Leiter Jürgen Thaler, gerade Vorarbeiten für eine größere Wacker-Ausstellung tätigen, die im nächsten Jahr realisiert werden soll und möglicherweise auch einige der bislang kaum bekannten Werke als Leihgaben enthält.

Depot-Ausbau

Dass einige Missstände im Museums-Depot auch auf beengte Platzverhältnisse zurückzuführen sind, wurde in letzter Zeit öfter thematisiert. Mit „die Wünsche sind zahlreicher als das Geld“ kommentiert Kulturlandesrat Christian Bernhard die Situation. Im Gespräch mit den VN hält er einerseits fest, dass die jüngsten Vorkommnisse rund um die Wacker-Bilder nicht Auslöser für die Dringlichkeit der Beantwortung der Depot-Frage seien, andererseits skizziert Bernhard auch eine Perspektive: „Bis Ende dieses Jahres muss der Zeitplan zur Ausweitung des Museumsdepots fixiert sein.“

Der Landesrat wird sogar konkreter, die derzeit geführte Diskussion über die Errichtung eines Industriemuseums mit Standort in Dornbirn oder im Oberland verdränge das Museumsdepotthema nicht. Sollte er vor die Entscheidung gestellt werden, dann hätte das Depot Priorität. Wobei Christian Bernhard auch anführt, dass ein Ausbauplan ein Schaudepot vorsehen soll. Somit wären der Öffentlichkeit weitere Schätze des Landes zugänglich. Und abgesehen davon kann man wohl davon ausgehen, dass dort, wo Einblick gewährt wird, alles professionell geordnet ist.

Bis Ende dieses Jahres muss der Zeitplan zur Ausweitung des Museums­depots fixiert sein.

LR Christian Bernhard