Atwoods düstere Zukunftsvision

Kultur / 23.06.2017 • 18:01 Uhr / 2 Minuten Lesezeit
Atwoods düstere Zukunftsvision

Die Friedenspreisträgerin widmet sich der Entwicklung der Gesellschaft.

Roman. Im Mittelpunkt ihres neuen Romans „Das Herz kommt zuletzt“ steht das Ehepaar Stan und Charmaine. Beide genossen vor einer Wirtschaftskrise, die sehr an die des Jahres 2008 erinnert, eine beschauliche bürgerliche Existenz. Aber davon ist nichts geblieben. Inzwischen leben sie in ihrem Auto, ständig in Angst, auch diesen letzten Rest Eigenständigkeit und auch Würde an herumstreunende Banden zu verlieren. Atwood stellt diese Passagen sehr realistisch dar.

Das Leben des Paars ändert sich, als sie auf ein Experiment aufmerksam werden, für das Teilnehmer gesucht werden. Dabei wird ihnen das versprochen, was sie verloren haben: „Erinnern Sie sich noch, wie Ihr Leben mal war? Bevor die Welt, wie wir sie kannten, auseinanderbrach? Beim Positron-Projekt kann es wieder so sein wie früher.“ Das Arrangement, auf das sie sich einlassen, ist abenteuerlich. Sie führen zwei unterschiedliche Leben, die sich monatlich ablösen. Einmal bewohnen sie ein kleines Haus, dann müssen sie packen und für einen Monat in ein nicht sonderlich bedrückendes Gefängnis gehen. Die scheinbare Ordnung der Gesellschaft löst sich in kürzester Zeit auf. Gleichzeitig wandelt sich der Charakter der Erzählung.

Psychologische Dramen

Der Roman wird zu einer Farce über Menschen, die ihrer sozialen und moralischen Richtlinien beraubt wurden. In Romanen wie „Die Unmöglichkeit der Nähe“ und „Katzenauge“ erwies sich Atwood als Meisterin des psychologischen Dramas. Am bekanntesten ist der Zukunftsroman „Der Report der Magd“. Im Herbst erhält sie den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.

Margaret Atwood: „Das Herz kommt zuletzt“, Berlin Verlag, 400 Seiten.