Auch die kleinen Tiere berühren große Themen

Kultur / 23.06.2017 • 18:25 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Bei Sven Stäcker geht es um die Wurst. Oder um seltene Tiere? Auf jeden Fall um eine Uraufführung, die gestern stattfand.  Foto: VN/cd
Bei Sven Stäcker geht es um die Wurst. Oder um seltene Tiere? Auf jeden Fall um eine Uraufführung, die gestern stattfand. Foto: VN/cd

Wie sich ein Festival schon nahezu 30 Jahre hält, ist bei „Luaga und Losna“ zu erfahren.

Nenzing. Mit Kulleraugen und auf Empfang gestellten Ohren fläzt ein kleiner Koboldmaki fast so gespannt und entspannt zugleich auf der Bühne wie so mancher der jungen Zuschauer im Ramschwagsaal. Kurz zuvor legte Sven Stäcker, der aus Deutschland stammende und mittlerweile in Österreich tätige Puppentheatermacher sein Mobiltelefon zur Seite, tat nichts anderes als eine Feder schweben zu lassen und hatte damit sofort alle Kinder eingefangen. Derart einfache Theatermagie darf auch sein bei einem Festival, das beinahe 30 Jahre existiert und luftig leichte Themen ebenso aufgreift und anbietet wie die ganz harten.

Dramatikerbörse

Die Frage nach der Relevanz eines Stückes ist heute nicht zu stellen, sie ist einfach gegeben und wird weit gefasst, erklärt Gerhard Ruiss während eines Gesprächs mit den VN. Der Autor und medienpolitisch stets pointiert laut werdende Obmann der IG Autoren sieht in der Woche, die er Jahr für Jahr in Nenzing als Workshop-Leiter verbringt, einen wichtigen Teil seiner Förderungsaktivitäten. Der Ort lasse Konzentration zu, Verlage seien längst hellhörig geworden und die Grenznähe erweise sich für die Dramatikerbörse als positiv. Aktivitäten oder Ergebnisse des Austausches stellt „Luaga und Losna“ für Interessierte inzwischen auch ins Netz.

Analoges hat selbstverständlich Vorrang, und so ist Stäckers Koboldmaki auch sehr hilfreich, wenn in „Kasperl und Wurst“, dem gestern uraufgeführten Stück, nicht nur Tierkunde betrieben wird, sondern die Schutzbedürftigkeit der Kreaturen oder Rücksichtnahme angesprochen werden. Am Ende verheddert er sich etwas in seiner Moral. Mit etwas reduziertem Alleinunterhalterjargon hat das Stück jedoch gute Chancen, sich auf den Bühnen zu halten.

„Netze“ von Sophie Ammann und Veronica Compagnone hat das längst bewiesen. Die dramaturgisch klug und ergreifend gestalteten Fluchtgeschichten von Frauen belegen ebenso wie „remembeRing“ (die VN berichteten), wie weit Johannes Rausch mit seinem „Luaga und Losna“-Festival gehen kann, wenn die Qualität stimmt.

Relevanz? Die Frage stellt sich nicht. Sie ist stets gegeben.

Gerhard Ruiss
Das Zenobia-Theater konfrontierte mit seinem Stück „Netze“ ergreifend mit dem Thema Flucht aus weiblicher Perspektive. Foto: Luaga und losna
Das Zenobia-Theater konfrontierte mit seinem Stück „Netze“ ergreifend mit dem Thema Flucht aus weiblicher Perspektive. Foto: Luaga und losna
Auch die kleinen Tiere berühren große Themen
Auch die kleinen Tiere berühren große Themen

“Luaga und Losna“-Finale am
24. Juni, 17 Uhr, im Ramschwagsaal, Nenzing: „Dumpu Dinki“,
Figurentheater.