Liebe und Kunst, mit der alles begann

Kultur / 23.06.2017 • 22:28 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
„Orphée et Euridice“, die Pariser Fassung der Gluck-Oper, ist in Innsbruck ein Publikumsmagnet und steht in der nächsten Saison wieder auf dem Programm. Foto: Theater/Larl
„Orphée et Euridice“, die Pariser Fassung der Gluck-Oper, ist in Innsbruck ein Publikumsmagnet und steht in der nächsten Saison wieder auf dem Programm. Foto: Theater/Larl

Ohne Orfeo keine Oper, das wird heuer vielerorts, aber auch in Tirol besonders deutlich.

Innsbruck, Bregenz. Auch wer in der Mythologie nicht sehr bewandert ist, kennt zumindest eine Figur, den Orpheus. Als Orfeo markiert er den Beginn des Opernschaffens überhaupt. Christoph Willibald Gluck schaltete sich 1762 ein, um übertriebenem Virtuosengehabe Einhalt zu gebieten. Der Lieblingskomponist von Kaiserin Maria Theresia hat den Umstand, dass mit Kunst, respektive Sangeskunst, selbst Furien bezwungen werden können, mit einem Meisterwerk dokumentiert. Mit der Wiener bzw. der davon nur leicht abweichenden Parma-Fassung ist das Symphonieorchester Vorarlberg vor ein paar Monaten in Bregenz über sich hinausgewachsen, während die Regie keinen positiven Nachhall erwirkte. Eine hervorragende Variante mit Ballett lieferte zuvor das Theater St. Gallen unter Beate Vollack, das Tiroler Landestheater setzte Ende Mai gleich auf die 1774 uraufgeführte Pariser Fassung und hat seitdem einen Publikumsmagneten auf dem Programm, der öfter auf den Spielplan gesetzt wurde als ursprünglich verlautbart und auch in die nächste Saison übernommen wird.

Dort ist das Werk dann spannend kombiniert, denn eine Neuinszenierung von Offenbachs fantastischer Oper „Hoffmanns Erzählungen“ und Ponchiellis „La Gioconda“ gibt es gleich im Herbst. Vertanzt wird Shakespeares „Macbeth“. Tanzchef Enrique Gasa Valga liebt die Herausforderung, dass das Ensemble gut geölt ist, bewies sich auch jüngst in einer der letzten „Orphée et Euridice“-Aufführungen vor der Sommerpause im vollbesetzten, jubelnden Haus.

Phänomenale Wirkungen

Unter der hellblauen Himmelstreppe, mit der Helfried Lauckner unterstrich, dass sich mit einfachen, aber perfekt eingesetzten Mitteln phänomenale Wirkungen erzielen lassen, hängt sich der hier auch als Regisseur tätige Choreograf weit raus. Bevor die Gleichförmigkeit in den Massenszenen plakativ werden könnte, bringt er aber den tiefen Schmerz, die Verzweiflung des Sängers, der seine Frau verlor, wieder bruchlos auf Spur. Dass der hohe Tenor Aco Aleksander Biscevic dabei Präsenz behauptet, bescherte dem Zuhörer eine aufschlussreiche Erfahrung, die Susanne Langbein (Euridice) mit bestem Stimmklang kontert. Barock bis fast impressionistisch leuchtet das von Seokwon Hong geleitete Symphonieorchester und steigert damit eigenwillig die Anziehungskraft.

Nächste Aufführung von „Orphée et Euridice“ in Innsbruck am 30. Juni und ab 30. September im Herbstprogramm: www.landestheater.at