Bombe, Schwein oder Rübe

Kultur / 27.06.2017 • 18:48 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Tragkraft der rund 60 Kilo schweren Skulptur wurde nicht nur von jungen Marktbesuchern wie diesem kleinen Mann getestet.
Die Tragkraft der rund 60 Kilo schweren Skulptur wurde nicht nur von jungen Marktbesuchern wie diesem kleinen Mann getestet.

Jene Werke, die ein Künstlerinnenduo den Menschen liefert, haben jedenfalls auch einen Spaßfaktor.

Bregenz. (VN-cd) Ältere Passanten denken beim Anblick der Skulptur an einen Zeppelin oder gar eine Bombe, die jüngeren – pardon – an ein fettes Schwein und nachdem der Bauernmarkt in Bregenz gestern Vormittag kurzerhand auch zur Plattform für Kunst wurde, rief das Gebilde auch Assoziationen zu einem riesigen Rettich oder einer Rübe hervor. Die Größe des Objektes, das gar nicht so leicht zu manövrieren war, spielte dabei offenbar keine Rolle, basta. Aber die Vorarlbergerin Gabriele Fulterer und die Salzburgerin Christine Scherrer (beide Jahrgang 1967) konfrontieren als Künstlerinnenduo ihr Publikum ja auch nicht mit einem Ratespiel. Nachdem man sie hierzulande bzw. in der Galerie Lisi Hämmerle auch schon stickend angetroffen hatte, sind es nun bildhauerische Arbeiten, die sie einmal nicht in Kunsträumen ausstellen, sondern unter die Leute bringen. In Wien hat das ebenso funktioniert wie in Paris.

Begreifen

Nach den ersten Begegnungen mit dem Publikum, das ein 60-Kilo-Kaliber an den Badeplatz am Seeufer und mitten auf einen Markt geliefert bekam, attestiert Christine Scherrer den Vorarlbergern sogar ein besonderes Interesse. Dass die Oberfläche der aus einem Harzgemisch bestehenden Gebilde im wahrsten Sinne des Wortes zum Begreifen animiert, wurde den Künstlerinnen laufend bestätigt. Nicht nur Leichtgewichte testeten dabei die Tragkraft, so manches der dabei entstandenen Fotos dokumentiert auch, dass einige Erwachsene keine Scheu hatten, eine Skulptur auch einmal spielerisch zu erkunden. Normalerweise, wenn sie sich im gewohnten Umfeld, also in einem Museum oder einer Kunsthalle befindet, darf man das ja nicht. Womit wir bei der Frage sind, was das Ganze überhaupt soll. Fulterer und Scherrer bezwecken nichts anderes, als die Menschen in lockerer Umgebung mit bildender Kunst zu konfrontieren. Bis zum 2. Juli sind sie noch in Bregenz unterwegs. Und keine Frage, demnächst geht es nicht mehr um die Bombe, den Zeppelin oder die Rübe, die beiden Künstlerinnen haben noch weitere Objekte dabei. Ob sie klein sind oder groß, immer geht es auch um die haptische Qualität, um ein paar optische Elemente, die an den menschlichen Körper erinnern.

Geschenk von Zobernig

Die gesamte Aktion wurde vom Kunsthaus Bregenz in Kooperation mit der Stadt organisiert. Der Kunsthistoriker und Mitinitiator Rudolf Sagmeister ist begeistert von den bisherigen Reaktionen. Nachdem keine größeren Projekte mehr gestemmt werden, in deren Rahmen Kunst in den öffentlichen Raum kommt, gibt es, so Sagmeister, immerhin ein paar Sonderaktionen. Die Kooperation mit dem von der Stadt ausgerichteten Tanzfestival „Bregenzer Frühling“ sieht vor, dass die Tänzer in Zukunft auch im Kunsthaus auftreten und demnächst profitiert die Bevölkerung von der längst vergangenen Ausstellung mit Arbeiten von Heimo Zobernig. Der Österreicher hat der Stadt ein tolles, begehbares, 13 Meter langes und 4 Meter breites Werk überlassen.

In Bregenz hat sich das Publikum bislang etwas interessierter gezeigt als in Wien.

Christine Scherrer
Auch unter Badenden am Bodensee initiierten Gabriele Fulterer und Christine Scherrer mit ihrer Skulptur Gespräche über Kunst. FotoS: R. Sagmeister
Auch unter Badenden am Bodensee initiierten Gabriele Fulterer und Christine Scherrer mit ihrer Skulptur Gespräche über Kunst. FotoS: R. Sagmeister

Die Aktion läuft bis 2. Juli, die Arbeiten und Fotodokumente werden am 14. Juli, ab 18 Uhr, im Magazin 4 in Bregenz präsentiert.