Gereiht und gestapelt zeigt sich, was gut ist

Kultur / 30.06.2017 • 18:43 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
In bester Qualität wertvoll: Holzspielzeug aus dem Bregenzerwald.
In bester Qualität wertvoll: Holzspielzeug aus dem Bregenzerwald.

„Archiv der Formen“ macht noch mehr Lust auf ein Schaudepot in Vorarlberg.

Andelsbuch. Wer ein bisschen herumkommt, der weiß, wie eine Regalpräsentation aussieht. In der großen Pinakothek der Moderne in München findet sie so selbstverständlich Anwendung wie im wunderbaren Schaulager, das bei Vitra Design in Weil am Rhein eröffnet wurde. Selbstverständlich setzte auch Peter Zumthor darauf, als er der Schausammlung im Kunsthaus Bregenz seine Architekturmodelle überließ. Wenn sie nun in dem ebenso von ihm geplanten Werkraum-Haus in Andelsbuch übernommen wird, ist das vielleicht nicht ganz so spannend wie es der Design-Anthropologe Stefan A. Wolf nun vor Medienvertretern vorstellte. Aber immerhin, wer bislang darauf setzen konnte, in diesem Werkraum-Haus Objekte vorzufinden, die mit möglichst wenig vorgefertigten Teilen auskommen, darf feststellen, dass die Tische, Stühle, Kästen, Truhen und Gebrauchsgegenstände nun auf einem simplen Podium thronen. Die Objekte, von denen die meisten aus heimischem Weichholz hergestellt sind, werden auf einem Regal präsentiert, das nichts anderes ist als ein Baugerüst, das in seiner Kahlheit einen harten Kontrast zu den eigentlichen Exponaten bietet.

Alles top in Form

Diese haben alle eine lange, bedeutungsvolle Geschichte. Seit einem Vierteljahrhundert wird nämlich der Wettbewerb „Handwerk + Form“ im Dreijahresrhythmus ausgetragen, 635 Einreichungen hat es bis 2015 gegeben. Die Werke ausfindig zu machen, zu sichten und danach zu ordnen, war höchst an der Zeit, schon im Jahr 2018 steht nämlich ein weiterer Wettbewerb an. Kennern mag unter den Bürsten, Schlitten, Truhen, Bänken, dem haptisch bezaubernden Holzspielzeug, den Gefäßen, Hockern und Liegen so einiges geläufig sein, wer bislang seltener oder gar nicht mit den Ergebnissen in Berührung gekommen ist, erhält wertvolle Nachhilfe in Design. Grundsätzlich gilt hier aber etwas Wesentliches: Bei der Betrachtung eines einfachen, aber durch und durch handwerklich erzeugten Schrankes, beim Erkunden einer kompakten Küche oder eines Möbels, das ein Tischler und ein Schmied gemeinsam herstellten, steht sofort fest, dass auch die älteren Objekte noch absolut top in Form sind. Kein Wunder, dass der Werkraum auf die Unesco-Liste für immaterielles Kulturerbe genommen wurde.

Apropos Regalpräsentation: Vorarlberg hat noch kein Schaudepot. Da die Ausweitung des zu klein gewordenen Museumsdepots in Bregenz aber ohnehin nicht mehr aufgeschoben werden kann, ist eine Öffnung für das Publikum mitzuplanen.

Das Kuratorenteam der Ausstellung „Archiv der Formen“ mit Werkraum-Leiter Thomas Geisler. Foto: VN/Hartinger
Das Kuratorenteam der Ausstellung „Archiv der Formen“ mit Werkraum-Leiter Thomas Geisler. Foto: VN/Hartinger

Die Ausstellung ist ab heute, 1. Juli, bis 7. Oktober im Werkraum-Haus in Andelsbuch geöffnet, Di bis Sa, 10 bis 18 Uhr.