Orte, an denen man mit sich allein sein kann

Kultur / 30.06.2017 • 20:18 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Birgit Sauer wählt besondere Blickwinkel. Foto: AG
Birgit Sauer wählt besondere Blickwinkel. Foto: AG

Auf Schloss Amberg zeigt die Wienerin Birgit Sauer in neuen Techniken Bilder, die berühren.

FELDKIRCH. (ag) Fast fühlt man sich ein bisschen als Voyeur oder doch zumindest als Eindringling, wenn man den kleinen Raum betritt und dort auf das Bild einer Frau trifft, die sich gerade ankleidet. Oder entkleidet? Es sind ungewöhnliche Blickwinkel und Ausschnitte, private, intime Momente, wie jener im Badezimmer, der kurze Blick in den Spiegel, die die Malerin und Grafikerin Birgit Sauer gerne einfängt in ihrer Arbeit.

„Ich mag Badezimmerbilder“, sagt Birgit Sauer. „Im Badezimmer ist man mit sich. Es ist ein Moment des Innehaltens. Im Bad schüttelt man den Tag ab oder bereitet sich auf einen neuen Tag vor.“ Rückzug und Wandel, allein sein (können) mit sich selbst, nicht zu verwechseln mit einsam sein – immer wieder sind es subtile Geschichten, wie beiläufig, im Vorbeigehen, aber mit großer Ernsthaftigkeit mitgenommen, die in den Werken angerissen werden. Mehr noch aber sind es die Grundgedanken unseres Daseins, der Sinn des Mensch-Seins, der auf sich selbst zurückgeworfene Mensch, Fragen nach den Dingen, die für wichtig genommen werden und plötzlich nicht mehr wichtig sind, die die Künstlerin umtreiben. „Es geht um Berühren und Berührtsein“, sagt Birgit Sauer, die nach einem Umweg über die Abstraktion erst allmählich zur Figuration und zum Gegenständlichen gefunden hat und ihre Ausstellung auf Schloss Amberg mit Bedacht auf die Räume zusammengestellt hat.

Die Ausstellung „Neulich am Meer war schon oder wir werden sehen, wir werden sehen“ gibt einen Einblick in das aktuelle Schaffen der Wiener Künstlerin, die auf einem aufgelassenen Flugplatz im Burgenland, einem „Kulturplatz zum Abheben und Landen“ (Sauer), in einem Hangar lebt und arbeitet. Der spielerische Ausstellungstitel basiert auf einer literarischen Vorlage, hat weniger mit Meer im Konkreten als mit Sehnsuchtsorten im Allgemeinen zu tun und verkörpert für Birgit Sauer eine Zeitschlaufe.

Mehr Leuchtkraft

Eine verspielte Offenheit ist den Arbeiten eigen, die Umsetzung erfolgt in verschiedensten Techniken, die für die Künstlerin wie Sprachen sind, und die sie auch gerne unorthodox und frisch untereinander kombiniert, aus allen Möglichkeiten schöpfend. Den Ausgangspunkt bilden vielfach Fotografien, entweder als Schnappschüsse oder als inszenierte Bilder, die nicht Selbstzweck sind, sondern von der Künstlerin wie Skizzen verwendet werden. Die neuesten Arbeiten sind eine Kombination aus Airbrush und Lack auf Metall, die sich je nach Lichteinfall völlig anders präsentieren. Dabei war das Metall, in Form der zum Drucken verwendeten Kupferplatten, schon lange präsent im Schaffen von Birgit Sauer. Für die neuen Arbeiten wollte sie noch mehr Leuchtkraft für die Farben, und so hat sich die Aluminiumplatte, die zunächst noch als Reflektorschicht im Bilduntergrund diente, nach und nach in den Vordergrund als Bildträger gekämpft. Unkenntliche Gesichter, Bildtiefen, in denen die Frauenfiguren verschwommen und wie schwerelos zu schweben scheinen, starke Farbräume, dynamische Linienwirbel, viel Bewegung und malerische Unschärfen kennzeichnen Werke, deren Motive zwar benennbar sind, die sich dem Betrachter dennoch immer wieder entziehen. Die Motive erscheinen schemenhaft und in Auflösung begriffen, der reine Informationsgehalt reduziert sich. Erkennbare Identität und Individualität der Figuren steht nicht im Vordergrund, wird aber gerade deswegen zum Thema in einem von diversen Medien bestimmten Weltbild.

Die Ausstellung ist auf Schloss Amberg in Feldkirch bis September zu sehen, geöffnet nach
Vereinbarung unter 0664 2668795.