Figurative Klassiker, hausgemacht und international

Kultur / 04.10.2017 • 18:24 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Werk des deutschen Künstlers Gernot Kissel.
Werk des deutschen Künstlers Gernot Kissel.

Im Museum für Druckgrafik stehen Akte, Porträts und abstrahierte Figuren im Mittelpunkt.

Rankweil Im Laufe der Jahre kommt einiges zusammen. Das durfte auch Markus Gell, Künstler und Drucker, engagierter Betreiber des Museums für Druckgrafik und leidenschaftlicher Sammler, feststellen. So bestreitet er die aktuelle Ausstellung in seinem Werkstatt-Museum einerseits mit Werken aus der umfangreichen und gut sortierten, stetig gewachsenen Sammlung, und andererseits aus Blättern, die in den vergangenen Jahren im Haus unter seiner Ägide gedruckt worden sind.

Narziss

Mit dem Thema „Figuren“ ist die Schau einem Topos gewidmet, der in der bildenden Kunst generell, in der Druckgrafik im Besonderen, eine spezielle Rolle spielt. So gibt es kaum einen Künstler, der sich im Verlauf seines Schaffens nicht mit der Darstellung der menschlichen Figur befasst hat. Wie unterschiedlich die Ergebnisse, gerade im druckgrafischen Bereich im Zusammenspiel mit den verschiedenen Techniken, ausfallen können, beweist exemplarisch die Ausstellung in Rankweil, die vom Holzschnitt über Radierung und Lithografie bis hin zur Zeichnung einen schönen Querschnitt bietet.

Die jüngsten in Rankweil gedruckten Werke stammen aus der Zusammenarbeit mit dem deutschen Künstler Markus Lüpertz. Der international bekannte Grafiker, Maler und Bildhauer, der mit an fortlaufenden Zyklen und zumeist antik-mythologischen Themen arbeitet, hat sich erst seit der Bekanntschaft mit Markus Gell auch der Lithografie zugewandt. Werke aus den Serien „Narziss“ und „Arkadien“ sind ebenso schöne Beispiele für den klassischen Steindruck wie die beiden Blätter der 1972 geborenen, in Berlin lebenden japanischen Künstlerin Chiharu Shiota, die 2015 den japanischen Pavillon der Biennale von Venedig gestaltet hat und in den Arbeiten der Reihe „Bed“ biografische Ereignisse verarbeitet. Ein einprägsames Selbstporträt von Rudolf Wacker sowie der „Ostergruß“ des Künstlers zeigen die im Schaffen von Wacker eher seltene Lithografie, gleich daneben mit „Claude“ und „Tête“ von Pablo Picasso zwei Köpfe, einer davon mit dem Abdruck des Fingers hergestellt, gedruckt in der legendären Druckerei Mourlot in Paris, wo auch andere Künstlergrößen wie Chagall seinerzeit drucken ließen. Die Blätter des Südtiroler Altmeisters der Radierung, Markus Vallazza, der seine Idole festhält, gehören ebenso zu den Highlights der Schau wie das eindrückliche Blatt einer Kreuzigungsszene in expressiver Linienführung von Otto Dix von 1949.

Das Thema Figur beschäftigt auch einheimische Künstler, allen voran den Bildhauer Herbert Albrecht, bei dem der Mensch seit Anbeginn im Mittelpunkt auch des zweidimensionalen Schaffens steht. Subversiver, ironischer hat sich Gottfried Bechtold anlässlich seiner Ausstellung in Rankweil 2008 mit „Die“ und „Der“ befasst, während Tone Finks „Kopfkrauler“ gewohnt leichtfüßig mit dem Strich tanzt und Lisa Althaus sattes Schwarz-Weiß in Holzschnitttechnik demonstriert. Weitere Arbeiten stammen u. a. von Hans-Peter Profunser, Herbert Wasenegger, Michael Hedwig, Albrecht Zauner, Rainer Rainer, Herwig Zens, Adolf Fehr und Gernot Kissel.

Tone Finks
Tone Finks „Kopfkrauler“ tanzt gewohnt leichtfüßig mit dem Strich.
Die jüngsten in Rankweil gedruckten Werke stammen aus der Zusammenarbeit mit dem deutschen Künstler Markus Lüpertz.  ag
Die jüngsten in Rankweil gedruckten Werke stammen aus der Zusammenarbeit mit dem deutschen Künstler Markus Lüpertz.  ag

Die Ausstellung wird im Museum für Druckgrafik, Edition Markus Gell, in Rankweil, am 7. Oktober, im Rahmen der langen Nacht der Museen zwischen 18 und 1 Uhr eröffnet.