Noch kurz ein Kunsthaus und dann ist es Geschichte

Kultur / 16.10.2017 • 20:16 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Errichtet wurde das Haus in den 1870er-Jahren, demnächst droht der Abriss. VN/CD
Errichtet wurde das Haus in den 1870er-Jahren, demnächst droht der Abriss. VN/CD

Bevor ein altes Gebäude aus dem Stadtbild von Bregenz verschwindet, blüht es auf.

Bregenz, Palermo Mit Arbeiten, wie sie nun im Zentrum von Bregenz entstehen, ist der Künstler Uwe Jäntsch international bekannt geworden. Seine Malerei an Hauswänden, um nicht zu sagen Ruinen, in der Altstadt von Palermo fand Aufnahme in namhaften Fachpublikationen zur bildenden Kunst. Als die Modemagazine hinzu kamen, die die Fassaden als Hintergrund hip fanden, bereitete Jäntsch dem Treiben ein Ende. Aktionen allerdings realisierte er noch einige Jahre lang, stets thematisierten sie die träge Politik, Versäumnisse in der Stadtentwicklung oder Ursachen der Armut bzw. das weitere Auseinanderklaffen der Schere zwischen Arm und Reich.

Größere Auftritte in Vorarlberg liegen weit zurück. Damals agierte er gemeinsam mit dem Galeristen Gregor Koller im Sinne einer Ausweitung des Kunstbegriffs. Man machte Arbeiten in öffentlichen oder nicht mehr genutzten Räumen frei zugänglich. Uwe Jäntsch (47) zählte auch zu jener Gruppe von Künstlern, die den ehemaligen Adlerhorst auf dem Pfänder dermaßen gut bespielten, dass die heuer zum zweiten Mal von Koller organisierte Ausstellung zu den besten des Sommers im gesamten Bodenseeraum gezählt werden kann.

Angstblüte

Nun gilt sein Interesse einem Haus im Bregenz Am Brand. Das Gebäude, in dem vor Jahrzehnten noch ein Stadtheuriger untergebracht war, stammt aus den 1870er-Jahren und soll demnächst zum Abriss frei gegeben werden. Im Einverständnis mit dem Besitzer Renato Walter lässt es Uwe Jäntsch noch einmal erblühen. Assoziationen zu einem Begriff aus der Biologie drängen sich auf, Angstblüte nennt man es, wenn ein Baum kurz vor dem Absterben noch einmal Triebe entwickelt. An der Frontfassade ranken sich seit dem Wochenende Blüten empor. Jeder einzelne Raum wird in den nächsten Tagen zu einem Kunstwerk. „Die Aktion hat eine enorme Dynamik entwickelt“, erklärt Jäntsch im Gespräch mit den VN und versichert, dass er in einer guten Woche fertig sein wird. Eines versteht sich aber wohl von selbst: Nacht- und Nebelaktionen hat Jäntsch noch nie durchgezogen. Vorurteilsbehaftete Bemerkungen sind fehl am Platz und abgesehen davon, dass er zum Malen Tageslicht braucht, arbeitet der Künstler absolut transparent.

Ein Abschied

Er bietet in Bregenz zudem Einblick in seine künstlerischen Aktionen in Italien, lässt Objekte aus Palermo herschaffen, wird in einigen der Räume seine Filmarbeiten zeigen und plant die Öffnung des Hauses in der kommenden Woche als große Performance, in deren Rahmen die Kulinarik zur Kunst kommen darf. Und diese umfasst nicht nur die Malerei und den Film, Skulpturen, die aus vorgefundenem Material entstehen, gibt es auch. Eines steht aber wohl außer Frage: Neben dem Comeback, das dem Galeristen Gregor Koller mit der Adlerwarte am Pfänder oder dem Weißhaus, das er mit Tone Fink in Hörbranz realisierte, gelang, steht der Begriff Abschied im Raum. Wiederum verschwindet ein altes Gebäude aus dem Stadtbild von Bregenz.

Noch kurz ein Kunsthaus und dann ist es Geschichte

Zur Person

Uwe Jäntsch

Geboren 1970 in Wasserburg, aufgewachsen in Bregenz

Wohnort Palermo

Ausbildung begonnenes Kunststudium und autodidaktische Ausbildung

Laufbahn seit 1999 Freilichtmuseum in Palermo, Beitrag bei der 53. Biennale in Venedig. Sein Werk umfasst Malerei, Skulptur, Film, Installationen und Interventionen im öffentlichen Raum

Die künstlerischen Arbeiten im Haus in Bregenz Am Brand sind am 26. und 28. Oktober zu besichtigen.

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