„Architekten haben eine enorme Verantwortung“

Kultur / 06.11.2017 • 20:08 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Designer Stefan Sagmeister wird vieles zur Gestaltung beitragen. VN
Designer Stefan Sagmeister wird vieles zur Gestaltung beitragen. VN

Verena Konrad bringt zwei Büros und Stardesigner Stefan Sagmeister zur Biennale.

Christa Dietrich

Bregenz, Venedig „Wenn man sich anschaut, was Europa bewegt, dann sind es demokratiepolitische Fragen“, erklärt Verena Konrad, Direktorin des Vorarlberger Architekturinstituts und von Kulturminister Thomas Drozda bestellte Kommissärin für den Österreich-Pavillon auf der nächsten Biennale in Venedig. Dass sie den öffentlichen Raum bzw. Stadtraum zum Thema machen wird, stand, wie sie im Gespräch mit den VN erläutert, rasch fest. Er sei eine Grundvoraussetzung dafür, dass Demokratie gelingen kann. Doch obwohl der öffentliche Raum ein hochaktuelles Thema ist, zeige sich, wie schwierig es für die Architekten ist, hier gestalterisch tätig zu sein und ernst genommen zu werden. Hier sieht Verena Konrad auch die Funktion der Biennale, die unter anderem die Möglichkeit biete, die gesellschaftspolitische Dimension der Architektur medial zu transportieren.

Architekten und Designer

Überzeugt davon, dass sie mit ihre Kenntnisse ergänzenden Recherchen ihrer Aufgabe eher gerecht wird als durch einen Aufruf an Architekten, sich zu bewerben, hat sich die Expertin für zwei Architektur- und ein Design-Büro entschieden, die das Thema von Mai bis November 2018 im Österreich-Pavillon umsetzen. Es sind dies Marta Schreieck und Dieter Henke, die in Gestaltungsbeiräten tätig waren und auch Biennale-Erfahrung mitbringen, die LAAC-Architekten mit Kathrin Aste und Frank Ludin, die auch in der Stadtentwicklung tätig sind, und der Vorarlberger Stefan Sagmeister, der sein Design-Büro in New York mittlerweile gemeinsam mit Jessica Walsh leitet. „Wenn wir es schaffen, in der Ausstellung ein Wohlbefinden zu erzeugen, dann ist unsere Arbeit gelungen“, erklärt Sagmeister im Gespräch mit den VN. Seine „Happy Show“, die bereits an zahlreichen Stationen auf großes Publikumsinteresse stieß, ist gerade im Museum für Gestaltung in Zürich eröffnet worden und dort noch bis 11. März zu sehen, eine große Ausstellung zum Thema Schönheit hat er für Wien in Vorbereitung. „Wir scheuen vor Begriffen wie Schönheit oder Atmosphäre nicht zurück“, betont Verena Konrad. Den eingeladenen Büros werden Räume zur Präsentation eigener Konzepte zur Verfügung stehen, darüber hinaus soll gemeinsam ein Projekt gestaltet werden.

Dass Architekten eine enorme Verantwortung und auch eine Schlüsselrolle innehaben, soll der Österreich-Auftritt verdeutlichen, der im Übrigen auch das Generalthema ergänzt, denn erst vor Kurzem wurde klar, dass die von Yvonne Farrell und Shelley McNamara kuratierte Hauptschau abseits der Länderpavillons den Titel „Freespace“ trägt.

Das Bundesministerium stellt ein Budget in der Höhe von 450.000 Euro zur Verfügung. Private Sponsoren werden nötig sein, um den Österreich-Auftritt in Venedig zu realisieren. „Im Wort Kuratorin steckt der Begriff ,cura‘, also Sorge, es ist meine Aufgabe, das zu schaffen“, versichert Verena Konrad ganz pragmatisch.

„Der öffentliche Raum ist Grundvoraussetzung dafür, dass Demokratie gelingen kann.“

Kommissärin Verena Konrad mit BM Drozda und den Architekten Marta Schreieck, Dieter Henke, Kathrin Aste und Frank Ludin. apa
Kommissärin Verena Konrad mit BM Drozda und den Architekten Marta Schreieck, Dieter Henke, Kathrin Aste und Frank Ludin. apa

Die Architektur-Biennale findet vom 26. Mai bis 25. November 2018 in Venedig statt: www.labiennale.org