Von bösen und braven Monstern

14.12.2017 • 21:36 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Die Arbeiten lassen wohl niemanden kalt. Bildraum/Petra RAiner
Die Arbeiten lassen wohl niemanden kalt. Bildraum/Petra RAiner

Sevda Chkoutova thematisiert im Bildraum Bodensee spannend und intensiv Kindsein und Erwachsenwerden.

Christa Dietrich

Bregenz Der Hintergrund ist dunkel wie die Nacht, die Figuren selbst erscheinen in leuchtendem Rosa. Neben dem zähnefletschenden Monster sieht sich der Betrachter mit treublickenden Augen konfrontiert, so manche Gestalt ist unheimlich und witzig zugleich. Wenn die aus Bulgarien stammende Künstlerin Sevda Chkoutova ein Zimmer im Bildraum Bodensee (im alten Postgebäude in Bregenz) mit Szenen ausmalt, die das bebildern, was ein Kind nachts zu bewältigen hat, setzt sie nicht auf platte Schockwirkung. Die Wiedererkennungsgrad ist auch für Erwachsene groß. Wir haben wohl alle zumindest noch in Erinnerung, was wir an der Wand neben dem Bett zu erkennen glaubten, was uns erschrecken ließ, was aber auch die Neugierde weckte, was wir entdecken wollten.

Noch nicht überwunden

Mit ihrer Installation „hide II“ geht Chkoutova aber auch ans Eingemachte. Malerei hat sie unter anderem an der Akademie der bildenden Künste in Wien studiert, die Auseinandersetzung mit der Entwicklungspsychologie oder mit Theorien von Sigmund Freud und C. G. Jung wird deutlich, wenn sie im zentralen Teil der Schau nicht nur die Erwartungen der Eltern thematisiert, die eine belastende Auswirkung auf Kinder haben können, sondern auch ganz konkret den Missbrauch auf physischer und psychischer Ebene. „Ich habe dich zum Fressen gern“ steht da auf der Schulter einer der Kinder-Schaufensterpuppen, die Chkoutova zum Ensemble gruppierte, das zum Träger verschiedener Botschaften wird, die mit viel Deckweiß auf dem hautfarbenen Grund aufgetragen wurden und erkennen lassen, welches Kind hier konkret zum Opfer von Übergriffen wurde und welchem bereits eine beträchtliche Bürde an Bewältigungsaufgaben übertragen wurde. Zeichnungen an der Wand liefern weitere Deutungsmöglichkeiten, unterstreichen die Thematik, lassen aber auch erkennen, dass es im Europa des späten 20. Jahrhunderts bzw. der Gegenwart noch gesellschaftliche Strukturen gab oder gibt, die die Duldung des Fehlverhaltens von Betreuungspflichtigen ermöglichen.

Konkret weiblichen Aspekten ist ein weiterer Raum gewidmet, in dem konnotationsreicher Latex zum Bildträger von Entwicklungsprozessen und Reflexionen bezüglich der Reproduzierfähigkeit wird. Das geschieht spannend, direkt und zeichnerisch vielschichtig.

Die Ausstellung im Bildraum Bodensee in Bregenz (Seestraße 5) ist bis 9. Februar geöffnet, Di und Do, 13 bis 18 Uhr, Fr und Sa, 11 bis 16 Uhr: www.bildrecht.at