Sich hemmungslos besaufen

02.02.2018 • 19:05 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Sona MacDonald als Hedwig in Vinterbergs Stück
Sona MacDonald als Hedwig in Vinterbergs Stück „Suff“. apa

Theater in der Josefstadt führt Vinterbergs „Suff“ auf.

wien Der Vorhang hebt sich. Die Zuschauer finden sich im Wohnzimmer einer gediegenen Wiener Altbauwohnung: weiß getünchte Stuckdecke, Flügeltüren, große Fenster. Bloß verkehrt herum. Oben ist unten, unten ist oben. Auf dem Boden, also an der Decke, liegt Sona MacDonald mit weißer Perücke als schwer betrunkene frühere Hautärztin Hedwig.

Das Schrillen der Gegensprechanlage versetzt sie in die unangenehme Situation, aufstehen zu müssen. Mit diesem eindringlichen Bild startet Regisseurin Alexandra Liedtke in einen Abend, der sich ganz auf die starken Leistungen des Ensembles konzentriert und es in den folgenden 100 Minuten schaffen wird, weder die Moralkeule zu schwingen noch zu verherrlichen, sondern die vielen Nuancen herauszuarbeiten, mit denen Alkohol in unserer Gesellschaft konnotiert ist.

Thomas Vinterberg und Co-Autor Mogens Rukov haben ein Setting geschaffen, in dem vier verwitwete, der besseren Gesellschaft angehörende Damen ein einziges Ziel haben: sich hemmungslos zu besaufen. Zu jeder Tageszeit. An diesem Tag wollen die ehemalige Pianistin Irma (Elfriede Schüsseleder), die frühere Balletttänzerin Constance (Therese Lohner) und ihre Freundin Marion (Marianne Nentwich) Hedwig abholen, um gemeinsam zum Begräbnis einer Bekannten zu fahren, die sich ins Grab gesoffen hat. Während sie sich Mut antrinken, wird ihnen klar, dass keine von ihnen mehr Autofahren kann. So funktionieren sie den Anlass in dem mit leeren Flaschen übersäten Zimmer zur Party um. Ihre Gespräche drehen sich um ihre frühere Bedeutung, die fade Jugend von heute und die wärmende, gelenksschmierende Wirkung russischen Wodkas.

Als Hedwig am nächsten Morgen verkatert erwacht, steht ihr Sohn Jacob mit seinen Kindern vor der Tür. Als er den Zustand seiner Mutter bemerkt, droht er ihr die Verwandtschaft zu kündigen, sollte sie sich nicht von ihren trunksüchtigen Freundinnen lossagen und sein Angebot annehmen, für ihn und seine Kinder am Weihnachtsabend ein Essen auszurichten. Wie Hedwig das schafft und welchen Entschluss sie dann in der Silvesternacht trifft, wird hier jetzt nicht erklärt. Garantiert ist: „Suff“ hält, was es verspricht. Es geht ums Trinken, um Alkohol als Lebensgrundlage mit seinen negativen Auswirkungen. Vinterberg und Liedtke geben dabei keine Antworten.

Weitere Spieltermine: 17., 18. Februar, 5., 6., 15., 17. und 18. März sowie im April.