„Beschimpfung, Demütigung und Homophobie“

04.02.2018 • 18:03 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Hartmann äußerte sich nun zu den schweren Vorwürfen. apa
Hartmann äußerte sich nun zu den schweren Vorwürfen. apa

Burgtheater-Mitarbeiter erheben Vorwürfe gegen Ex-Direktor Hartmann. Dieser wehrt sich.

Wien Regisseur Matthias Hartmann hat sich gegen öffentliche Angriffe seiner ehemaligen Mitarbeiter am Burgtheater in Wien gewehrt. „Der Standard“ veröffentlichte am Samstag einen offenen Brief von rund 60 Burgtheater-Angestellten, die Hartmann vorwerfen, während seiner Intendanz von 2009 bis 2014 eine „Atmosphäre der Angst“ geschaffen zu haben. Die konkreten Vorwürfe reichen unter anderem von der Beschimpfung des technischen Personals über die Demütigung einzelner Produktionsmitarbeiter bis zu Homophobie. Man wolle damit klarstellen, dass auch die Kulturinstitutionen nicht vor den im Zuge der #MeToo-Debatte thematisierten Problemen gefeit seien, so die Unterzeichner, zu denen so prominente Schauspieler wie Regina Fritsch, Petra Morze, Elisabeth Orth oder Branko Samarovski und Nicholas Ofczarek gehören.

Hartmann sprach am Samstag von einem „gezielten Angriff“ auf die Premiere des David-Bowie-Musicals „Lazarus“. Das von einem großen Medienecho begleitete Musical unter Hartmanns Regie wurde am Samstagabend als deutsche Erstaufführung in Düsseldorf vom Publikum gefeiert. Einige der Unterzeichner des Briefes kenne er gar nicht, mit anderen habe er nicht zusammengearbeitet, sagte Hartmann der Deutschen Presse-Agentur. Er sehe den Brief in Zusammenhang mit seiner Entlassung als Intendant des Burgtheaters und der Aufklärung des ihm angelasteten Finanzskandals. Die #MeToo-Debatte sei wohl gerade recht gekommen, um seine Entlassung zu rechtfertigen.

„Neues Fass aufgemacht“

Matthias Hartmann musste die „Burg“ nach einem Etatloch von 20 Millionen Euro im Jahr 2014 verlassen. Bei dem Ermittlungsverfahren seien bisher keine der Vorwürfe gegen Hartmann bestätigt worden, sagte sein Sprecher in Wien. Hartmann fordert eine Rehabilitierung durch das Burgtheater für den Fall der Einstellung der Ermittlungen. „Jetzt aber wird ein neues Fass aufgemacht“, sagte Hartmann mit Blick auf den offenen Brief.

Bei den Vorwürfen gegen den Ex-Intendanten gehe es aber nicht um strafrechtlich relevante Vorwürfe, betonen die Unterzeichner. Seine Doppelrolle als Intendant und Regisseur habe aber ein „problematisches Abhängigkeitsverhältnis“ sowie „Angst und Verunsicherung“ geschaffen. „Wenn ich Menschen verletzt habe, muss ich mich natürlich entschuldigen“, sagte Hartmann in einer Stellungnahme. „Ich habe mich auch oft nach Endproben, wenn es etwas lauter wurde, immer entschuldigt. Das wurde auch meistens angenommen.“