Militärmusik fasst wieder Tritt

06.02.2018 • 19:54 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Unter der Leitung von Kapellmeister Wolfram Öller gab Vorarlbergs Militärmusik am Montag ein „Comeback-Konzert“.JU
Unter der Leitung von Kapellmeister Wolfram Öller gab Vorarlbergs Militärmusik am Montag ein „Comeback-Konzert“.JU

Generalversammlung der Freunde und „Comeback-Konzert“ zeigten positiven Trend.

WOLFURT Vorarlberg hat wieder eine Militärmusik, die diesen Namen auch verdient. Dies zeigte sich am Montag im Cubus bei der Generalversammlung der Militärmusikfreunde, wo das nachfolgende „Comeback-Konzert“ unter dem kürzlich zum Major aufgestiegenen Militärkapellmeister Wolfram Öller (37) wieder selbstbewusst aus eigener Kraft bestritten werden konnte. Noch vor einem Jahr hatte man in der Not die Polizeimusik Vorarlberg um ein „Gemeinschaftskonzert“ bitten müssen, heuer nun beschränkte sich diese unter Robert Vonach wie gewohnt auf den Empfang der Gäste mit flotten Marschklängen. Langsam, aber stetig kommt unsere reaktivierte Militärmusik Vorarlberg also wieder auf Vordermann und lässt die „unkluge Entscheidung“ (LR Erich Schwärzler bei seinen Grußworten) vergessen, mit der ein uneinsichtiger Politiker vor zwei Jahren den Klangkörper handstreichartig auf lächerliche 25 Musiker reduziert hat. Damit, so hat sich rasch gezeigt, lässt sich kein Staat machen, lassen sich als tradiertes österreichisches Kulturgut keine repräsentativen Aufgaben erfüllen.

Wolfram Baldauf, eben wiedergewählter Gründungsobmann des 661 Mitglieder zählenden Vereins zur Förderung des österreichischen Militärmusikwesens in Vorarlberg und eiserner Vorkämpfer für den Erhalt unserer Militärmusik, steht denn auch die Freude über diese Entwicklung ins Gesicht geschrieben. Der Klangkörper hat nun wieder eine Stärke von 39 Musikern, mit fünf Berufssoldaten und 34 Präsenzdienern, bestehend aus 30 Männern und vier jungen Frauen.

Wiederaufbau nach Kahlschlag

Dieser Wiederaufbau nach dem radikalen Kahlschlag war nicht einfach, denn gut ausgebildete Blasmusiker, die zur Militärmusik wollen, sind heute Mangelware. Auch jetzt ist noch „Luft nach oben“, wenn Wolfram Öller in seinem Bericht vor allem das fehlende Kaderpersonal beklagt, das eine längerfristig anhaltende musikalische Qualität im Orchester- und Ausbildungsbetrieb garantieren würde. So sind dort im Moment elf attraktive und gut bezahlte Arbeitsplätze für Berufsmusiker unbesetzt. In dieser Aufbauphase ist die Militärmusik im Vorjahr immerhin 115 Mal zu Einsätzen ausgerückt. Und auch bei diesem Traditionskonzert auf der Bühne des Cubus kann sie sich in ihren weißen Galauniformen durchaus sehen und vor allem hören lassen. Da ist unter Wolfram Öllers temperamentvoller, zunehmend überlegener Leitung sehr vieles wieder von jener ausgefeilten Präsenz spürbar, wie man sie noch vor der Reduzierung an unserer Militärmusik bewundert hat. Freilich fehlt im Moment noch der letzte Rest an routinierter Kaltblütigkeit, Eleganz und ausgefeilter Dynamik von einst, als noch weit mehr Kaderpersonal vorhanden war. Aber das wird sich mit der Zeit geben. Auch der Klang ist mit ausreichend gutem Holzregister, strahlenden Trompeten, satten Tenorhörnern, zwei Tuben und sogar einem gestrichenen Kontrabass sowie sicherem Schlagwerk schön gemischt.

Die Blasmusik-Arrangements dreier Werke von Johann Strauß klingen in der Anfangsphase manchmal noch etwas schwerfällig, da fehlt die spritzige Leichtigkeit. Doch da lässt schon ein ordentliches Kaliber aufhorchen, Heinrich Hüblers effektvolles Konzertstück für vier Hörner und Blasorchester, das präzise, auf ausgezeichnetem Niveau bewältigt wird.

Farbenreiche Klangeindrücke

Die im Studium befindlichen Solisten Anton Doppelbauer, Johanna Eberle, Jonas Ellensohn und Florian Tomasini zeigen Sicherheit, Nervenstärke und schön gerundete, farbenreiche Klangeindrücke. Und dann kommt jener Block mit vor allem amerikanischer Pop- und Filmmusik, die in ihren fetzigen Arrangements eigentlich der Big Band abgelauscht wurde und die Wolfram Öller ganz besonders liebt und in allen Registern glänzend aufblühen lässt. Der unverwüstliche Preußen-Marsch „Alte Kameraden“ setzt den Schlusspunkt, gefolgt als zweite Zugabe von Erich Hendls auch gesungenem Marsch „Unterm Montfortbanner“. Zahlreiche Freunde und Fans feiern die wiedererstandene Militärmusik Vorarlberg und ihren Kapellmeister und bestärken sie darin, den eingeschlagenen Weg des Wiederaufbaus konsequent fortzusetzen.

Galakonzert der Militärmusik Vorarlberg mit Film zum 60-Jahr-Jubiläum: 23. Mai, 19.30 Uhr, Bregenz, Festspielhaus, Leitung Wolfram Öller.