Ein märchenhaftes Kino-Kunstwerk

13.02.2018 • 18:49 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Der Oscar-Favorit „Shape of Water“ entwickelt besonders auf der Leinwand seine visuelle und emotionale Kraft. ap
Der Oscar-Favorit „Shape of Water“ entwickelt besonders auf der Leinwand seine visuelle und emotionale Kraft. ap

Fantasy Meist sind Monster zum Gruseln da, aber nicht immer. Manchmal durften sie im Kino auch schon die romantischen Helden einer Liebesgeschichte sein. In „King Kong“ etwa oder „Die Schöne und das Biest“ zeigten die vermeintlichen Gruselwesen ihre zarte Seite. Daran knüpft nun auch „Shape of Water – Das Flüstern des Wassers“ an, einer der originellsten Filme des vergangenen Jahres, der mit 13 Nominierungen nun völlig zu Recht der große Favorit bei der Oscarverleihung Anfang März ist.

Elisa ist stumm und lebt zurückgezogen in einer kleinen Wohnung. Jeden Abend aber macht sie sich auf den Weg zu ihrer Arbeit: Sie putzt in einem Regierungslabor, wo geheime Experimente durchgeführt werden – es ist Anfang der 1960er-Jahre, die Zeit des Kalten Krieges. Eines Tages entdeckt Elisa dort eine ungewöhnliche Kreatur, die im Amazonas gefangen wurde. Es ist ein faszinierendes Wasserwesen, mit Kiemen und einem muskulösen Körper, der in schillerndem Blau und Grün schimmert.

Visuelle Kraft

Dieser Inhalt mag zunächst seltsam klingen, doch Regisseur Guillermo del Toro erzählt „Shape of Water“ so kunstvoll, dass man ihm und seinen Figuren nur zu gerne zuschaut. Denn Elisa (Hawkins) fühlt sich von diesem Wassermann angezogen, schmuggelt einen Plattenspieler ins Labor, spielt ihm Jazzsongs vor und lockt ihn mit gekochten Eiern an den Beckenrand seines Gefängnisses. Schnell nähern sich die beiden Stummen an. Doch als das im Amazonas als Gott verehrte Wesen getötet werden soll, um Untersuchungen zu ermöglichen, entscheidet sich Elisa, es zu befreien.

„Shape of Water“ entwickelt besonders auf der Leinwand seine visuelle und emotionale Kraft und ist dabei so vielschichtig erzählt, dass es zahlreiche Interpretationen zulässt. Schließlich ist da nicht nur das wundersame Erstarken der vermeintlich Schwachen über die weiße, männliche Vorherrschaft. Es ist auch ein Seitenhieb auf das Ausbeuten unserer Natur, die Arroganz allem Unbekannten und der Intoleranz dem Anderen gegenüber. Vor allem aber gelingt es del Toro, ein bildgewaltiges Märchen für Erwachsene zu erzählen. Er kreiert dafür eine ganz eigene Welt, in der nicht nur alles möglich ist, sondern auch völlig natürlich wirkt. Kein anderer Regisseur verfügt wohl derzeit über eine solch eigene Vision, mit der er eine so originelle Geschichte so fantasievoll umsetzt – sein „Shape of Water“ wird zu einem Kino-Kunstwerk, das die Magie der großen Leinwand feiert.

„Shape of Water“

Regie Guillermo del Toro

Darsteller Sally Hawkins, Michael Stuhlbarg, Michael Shannon, Octavia Spencer, Lauren Lee Smith

Start 16. Februar