Professor zum 100. Todestag von Klimt und Schiele

Kultur / 22.02.2018 • 18:21 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Kunsthistoriker Tobias Natter bekommt den Berufstitel Professor. Natter Finearts
Kunsthistoriker Tobias Natter bekommt den Berufstitel Professor. Natter Finearts

Der frühere Direktor des Vorarlberg Museums, Tobias Natter, wird heute zum Professor ernannt.

Wien Ein Offenbarungserlebnis hatte Tobias Natter nicht. Dennoch hört es sich so an, wenn der frühere Direktor des Vorarlberg Museums über seine Leidenschaft spricht: die Kunst. Nun hat sie ihm zu einem Professortitel verholfen. Kunstminister Gernot Blümel (ÖVP) wird ihm diesen heute, Freitag, verleihen.

Voraussetzung für einen solchen Titel sind „nachweisbare hervorragende Leistungen“ des Ausgezeichneten, der sich „in langjähriger Ausübung seines Berufes Verdienste um die Republik Österreich erworben“ hat. So jedenfalls steht es in der Entschließung des Bundespräsidenten. Max Hollein, Direktor des Fine Arts Museum in San Francisco, war überzeugt, dass Natter diesen Kriterien gerecht wird. Er stellte den entsprechenden Antrag, worauf ein Gutachten, der Segen des Ministers und die Unterschrift des Bundespräsidenten folgten. So wird mit der heutigen Verleihung aus Dr. Tobias G. Natter eben Prof. Dr. Tobias G. Natter.

Internationale Ausstellungen

Der 56-Jährige blickt auf eine beachtliche Karriere zurück. Unter anderem war er Chefkurator in der österreichischen Nationalgalerie Belvedere und sowohl Direktor des Vorarlberg Museum als auch des Leopold Museums. Seit vier Jahren ist der Vorarlberger selbstständig. Mittlerweile kuratierte er zahlreiche Ausstellungen, unter anderem in New York, Liverpool und Frankfurt. Auch schätzte der gerichtlich zertifizierte Sachverständige Nachlässe von bekannten Persönlichkeiten wie Maria Lassnig und Ernst Fuchs. Natter erstellte darüber hinaus privat und ohne institutionelle Hilfe zwei 600 Seiten schwere Werkverzeichnisse von Gustav Klimt und Egon Schiele. Diese Arbeiten bezeichnet Max Hollein als Aushängeschild der österreichischen Forschung.

Konsequenz als Anspruch

Dass der Professortitel nun ausgerechnet 2018 kommt, bezeichnet Natter als schöne Brücke zu seiner Tätigkeit. Schließlich wird heuer an den 100. Todestag von Klimt und Schiele erinnert. Seine Bewunderung für deren Werke kann der Kunsthistoriker nicht verbergen. Das will er auch nicht. Klimt und Schiele seien Repräsentanten eines kulturell unglaublich starken Universums, nämlich der Wiener Kunst um 1900. „Sie sind Künstler, die uns heute noch beschäftigen und viele aktuelle Fragen stellen.“ Der 56-Jährige ist fasziniert von ihrer Konsequenz, Ideen umzusetzen. „Diese Einmaligkeit und unglaubliche Qualität kann höchstens ein Anspruch sein“, sagt er. Dass Natter diesen zumindest in gleicher Konsequenz verfolgt, beweist nicht zuletzt sein neuer Berufstitel. VN-EBI 

Zur Person

Tobias G. Natter

Kunsthistoriker

Geboren 26. Mai 1961, Dornbirn

Ausbildung: Studium der Kunstgeschichte und Geschichte in Innsbruck, München und Wien

Laufbahn 1991–2005 Kurator/Chefkurator des Belvedere Wien, 2006–2011 Direktor Vorarlberg Museum, 2011–2013 Direktor Leopold Museum Wien, seit 2014 Kunstberatung und Gastkurator für Museen und Ausstellungshäuser weltweit