Stets für Überraschungen gut

25.02.2018 • 17:23 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
„Touch Me Not“ – ein Filmexperiment über die Sexualität – gewann den Hauptpreis. afp

Goldener Bär für rumänischen Film „Touch Me Not“. Doku-Preis für Ruth Beckermann.

Berlin Inmitten der Debatte über die Rolle von Frauen im Filmgeschäft haben überraschend zwei Regisseurinnen aus Osteuropa bei der Berlinale die Hauptpreise abgeräumt. Die Rumänin Adina Pintilie gewann den Goldenen Bären für „Touch Me Not“. In dem Film erfoscht sie die Spielarten und Grenzen menschlicher Sexualität. Damit ging der Goldene Bär einmal mehr an einen unkonventionellen Film, der nicht unbedingt auf ein Massenpublikum zielt. „Die Mischung aus Fiktion und Dokumentarfilm war bei den Berlinale-Kritikern mit ihren vielen Nacktszenen auf gemischte Reaktionen gestoßen. „Wir haben herausgefunden, dass wir nicht nur würdigen wollen, was das Kino kann, sondern auch, wo es vielleicht noch hingehen kann“, sagte Regisseur Tykwer über die Auswahl der von ihm angeführten Jury. Eine ebenfalls starke Frauenrolle hat Ana Brun in dem paraguayischen Spielfilm „The Heiresses“, wofür sie den Silbernen Bären als beste Darstellerin erhielt. US-Regisseur Wes Anderson bekam den Silbernen Bären für seine Regiearbeit im Animationsfilm „Isle of Dogs“. Den Großen Preis der Jury holte die polnische Regisseurin Malgorzata Szumowska mit dem Film „Twarz“, die sich kritisch mit den Verhältnissen in Polen auseinandersetzt.

Preise für Österreicher

Der im Berlinale Forum gelaufene Doku-Essay „Waldheims Walzer“ der österreichischen Regisseurin Ruth Beckermann über die Aufdeckung der Kriegsvergangenheit des UN-Generalsekretärs und österreichischen Bundespräsidenten gewann den mit 50.000 Euro dotierten Glashütte Original Dokumentarfilmpreis. Die Jury würdigte den Streifen als „herausragendes Porträt eines politischen Lügners“. Die Österreich-Premiere folgt bei der Diagonale (13. bis 18. März). Der österreichische Regisseur Wolfgang Fischer konnte sich gleich über drei Auszeichnungen freuen. „Styx“ wurde mit dem Heiner Carow Preis, dem „Label Europa Cinemas“-Preis und dem Preis der ökumenischen Jury geehrt.

Ruth Beckermann nahm den Glashütte Original Dokumentarfilmpreis entgegen.
Ruth Beckermann nahm den Glashütte Original Dokumentarfilmpreis entgegen.

Berlinale 2018

GOLDENER BÄR „Touch Me Not“ von Adina Pintilie (Rumänien)

SILBERNER BÄR, GROSSER PREIS DER JURY „Gesicht“ („Twarz“) von Malgorzata Szumowska (Polen)

SILBERNER BÄR, ALFRED-BAUER-PREIS „Die Erbinnen“ („Las herederas“) von Marcelo Martinessi (Paraguay)

SILBERNER BÄR FÜR DIE BESTE REGIE „Isle of Dogs“ („Isle of Dogs – Ataris Reise“) von Wes Anderson (USA), Animationsfilm

SILBERNER BÄR FÜR DIE BESTE DARSTELLERIN Ana Brun in „Die Erbinnen“ („Las herederas“) von Marcelo Martinessi (Paraguay)

SILBERNER BÄR FÜR DEN BESTEN DARSTELLER Anthony Bajon in „Das Gebet“ („La prière“) von Cédric Kahn (Frankreich)

SILBERNER BÄR FÜR DAS BESTE DREHBUCH Manuel Alcalá und Alonso Ruizpalacios (Mexiko) für „Museo“ (Museum)

GLASHÜTTE ORIGINAL DOKUMENTARFILMPREIS „Waldheims Walzer“ von Ruth Beckermann (Österreich)