Erik Schineggers unglaubliches Leben

Kultur / 27.02.2018 • 18:25 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Reinhold Bilgeri hat die Hauptrolle in „Erik & Erika“ mit Nachwuchsstar Markus Freistätter besetzt. Lotus Film
Reinhold Bilgeri hat die Hauptrolle in „Erik & Erika“ mit Nachwuchsstar Markus Freistätter besetzt. Lotus Film

Bilgeri arbeitete das Schicksal des ehemaligen Skistars auf.

HOhenems Die kleine Erika fährt Seifenkistenrennen und repariert Papas Auto. Mit 18 wird sie Abfahrtsweltmeisterin, mit 20 offiziell zum Mann. Das ist die Lebensgeschichte von Erik Schinegger, der als Intersexueller als Mädchen erzogen wurde. Und es ist die Geschichte von „Erika & Erik“, dem neuen Film des Vorarlberger Rockprofessors Reinhold Bilgeri, der damit ein unglaubliches Leben nachzeichnet. Bei den drei Vorpremieren in Vorarlberg (1. März) wird Produzent und Regisseur Reinhold Bilgeri gemeinsam mit dem Hauptdarsteller Markus Freistätter anwesend sein.

Burschikose Tochter

„Die Puppe hat sie noch nie angerührt, aber den kleinen Traktor nimmt sie mit ins Bett“, wundert sich die Mutter, eine einfache Kärntner Bäuerin (von Birgit Melcher ebenso stimmig interpretiert wie der stille Vater von Gerhard Liebmann) über die burschikose Tochter, die so gar nicht den für ihre Geschlechterrolle vorgesehenen Klischees entsprechen will. Vorzeichen, die sich im Fortgang des Lebens bewahrheiten sollten, steigt das vermeintliche Bauernmädel mit dem maskulinen Auftreten (Markus Freistätter) doch 1966 im chilenischen Portillo zur Skiweltmeisterin auf.

Genetisch ein Mann

Der Österreichische Skiverband feiert sie, ihr Dorf ebenso. Umso größer die Bombe, die platzt, als vor den Olympischen Winterspielen 1968 in Grenoble ein Chromosomentest an Schinegger ergibt, dass es sich bei Erika genetisch eindeutig um einen Mann handelt. Während der ÖSV auf eine Operation zur Frau hin drängt, stehen Erika einzig Schwester Sigberta (Marianne Sägebrecht) und der Arzt Kübler (Harald Schrott) im Krankenhaus bei. Schließlich fällt die Entscheidung, die nach innen gewachsenen männlichen Geschlechtsorgane zu operieren, und Erika nun auch offiziell zum Mann werden zu lassen.

Der Wiener Nachwuchsschauspieler Markus Freistätter kann in dem Film seine ganze Qualität in der Interpretation einer Figur ausspielen, ohne diese durch Überspiel zu verraten. Reinhold Bilgeri gelingen in „Erik & Erika“ durchaus schöne Sinnbilder und Metaphern. Der Vorarlberger schafft es, die Erzählungen und Dinge in der Schwebe zu halten und nicht jedes Verhalten zu verbalisieren.

Exklusive Vorpremiere von „Erik & Erika“: Donnerstag, 1. März, Kino Bludenz (18 Uhr), Cineplexx Hohenems (19 Uhr), Metrokino Bregenz (20 Uhr); Karten gibt es vor Ort, Offizieller Filmstart: 2. März.