Zwischen Berührung und Beklemmung

Kultur / 05.03.2018 • 18:42 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Sängerin Anna Willerding mit dem Tiroler Barockensemble „Adornamento“. JU
Sängerin Anna Willerding mit dem Tiroler Barockensemble „Adornamento“. JU

Trotz äußerer Umstände wurde die neue Herz-Jesu-Reihe gleich ein Erfolg.

BREGENZ „Adornamento“ – ein Name, den man sich merken sollte. Er hat mit Ornamenten, musikalischen Verzierungen zu tun und steht für ein exzellentes junges Tiroler Originalklangensemble, das am Wochenende bei „Musik in Herz-Jesu“ debütierte. Bewundernswert dabei, wie locker die fabelhaft ausgebildete Truppe die misslichen Umstände dieses Auftritts mit spärlichem Besuch in der eiskalten Kirche wegzustecken vermochte und mit einem zu Herzen gehenden, geschmackvollen Programm zur Passion viel emotionale Wärme und Leidenschaft vermittelte.

Dieser Abend ist zugleich der Start eines kleinen Zyklus zum 20-jährigen Jubiläum dieser Konzertreihe (die VN berichteten), bei der sich die Interpreten erstmals nicht auf der Empore oder im vorderen Altarraum um den Volksaltar, sondern direkt an der Rückwand vor dem Hauptaltar versammeln, „in presbyterio“ also auf gut Kirchenlatein. Das hat sich insofern bewährt, als die rundum sitzenden Zuhörer nun die Musik viel unmittelbarer erleben können und weil auch der berüchtigte, oft allzu lange Kathedralhall des großen Kirchenschiffs hier einem sparsameren, durchaus angenehmen akustischen Raumeindruck weicht. Verena Zeisler, die junge Tiroler Geigerin und Pädagogin, hat sich das als neue Obfrau des Vereins ausgedacht und dafür gleich ihr eigenes Ensemble mitgebracht, eben „Adornamento“. Zusammen mit ihr bilden die Geigerin Rebecca Plane und Cellist Florian Andreas Giesa nach ihrem Studium in historischer Aufführungspraxis in Linz den Grundstock. Gemeinsam mit dem Bratscher Lukas Schurig und der Cembalistin Agata Meissner ergibt sich so ein variables, wunderbar aufeinander eingespieltes Gefüge.

Ein Funken Hoffnung

Es bildet mit gehaltvollen Abschnitten den instrumentalen Rahmen, aus dem ein überschäumendes Vivaldi-Cellokonzert und zwei diffizile Scarlatti-Sonaten am Cembalo solistisch herausragen. Besonderen Eindruck vermittelt die deutsche Sopranistin Anna Willerding in ihrer kultivierten Erscheinung. Mit großem Ausdruck, in endlosen Legatobögen und perlenden Koloraturen vermittelt sie den Kerngedanken dieses Programms, das sich in barockem Überschwang „Meer meiner Tränen“ nennt. Anschaulich schildert sie die Befindlichkeit der beiden biblischen Marias, also Maria Magdalena und der Gottesmutter Maria, in ihrer Klage um den Tod Jesu, wie sie in farbenreich ausgezierten Arien von großen Meistern der Barockzeit wie Bononcini, Caldara oder Sances mit seiner „Stabat mater“-Vertonung überliefert sind. Bei so viel Tränen und schmerzlich fallenden Intervallen ergibt sich für den Zuhörer zwischen Berührung und Beklemmung auch ein Funken Hoffnung bei Merulas „Canzonetta spirituale sopra la Nanna“. Doch die Geborgenheit dieses Wiegenliedes für das Jesuskind wird mit Visionen über dessen späteren Leidensweg wieder zunichte gemacht. Der Beifall der wenigen Zuhörer für das sympathische Ensemble ist demonstrativ herzlich. Und den Namen „Adornamento“ sollte man sich merken – für das nächste Mal. JU

Nächstes Konzert in Bregenz Herz-Jesu: 8. Mai, 19.30 Uhr: Chorkonzert zum Muttertag („Carmenchor“ NMS Belruptstraße, Dir. Wolfgang Schwendinger)