Von Johann Sebastian Bach sollten sie die Finger lassen

Kultur / 26.03.2018 • 20:03 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Mit einem zur Diskussion anregenden Konzert startete das Hohenemser Kammerorchester „Arpeggione“ ins 28. Bestandsjahr. Jurmann
Mit einem zur Diskussion anregenden Konzert startete das Hohenemser Kammerorchester „Arpeggione“ ins 28. Bestandsjahr. Jurmann

„Arpeggione“ spielte seine Klavierkonzerte stilistisch wie vor 50 Jahren.

HOHENEMS Vor einem fast vollbesetzten Rittersaal im Palast startete das Kammerorchester „Arpeggione“ am Wochenende ins 28. Bestandsjahr, künstlerisch geleitet bis heute vom unermüdlichen Gründer Irakli Gogibedaschwili. Das Orchester hat sich im Kulturleben des Landes besonders durch seine Vielseitigkeit längst einen festen Platz erobert. Vor allem unter dem seit einigen Jahren amtierenden Chefdirigenten Robert Bokor, der auch diesmal am Pult stand, zeigt es sich mittlerweile in fast allen musikalischen Sätteln gerecht. Nur vom Barock sollte „Arpeggione“ die Finger lassen, wie das Eröffnungskonzert mit einer stilistisch völlig unzeitgemäßen Aufführung zweier Bach-Klavierkonzerte bewiesen hat.

Auch wenn es beim Publikum der Hit dieses Programms „Bach Forever“ ist: So wie die erstmals hier gastierende russische Solistin Lisa Smirnova und das Orchester die durch frühere Violinfassungen bekannten Konzerte Nr. 3 D-Dur und Nr. 7 g-Moll anlegen, kraftvoll und pathetisch wie ein Rachmaninow, mit viel Vibrato der Streicher und romantisierenden langsamen Sätzen, hat man solche Literatur stilistisch zuletzt vor 50 Jahren musiziert. Es muss ja nicht gleich Harnoncourts gestrenger Originalklang sein, aber zumindest sollte bei einer Bach-Wiedergabe etwas von dem spürbar sein, was man heute allgemein „historisch informiert“ nennt. Unbenommen von solch stilistischen Einwänden ist die durchaus präzise, virtuose und ambitionierte Wiedergabe der Werke durch „Arpeggione“ und die Solistin zu bewerten, die sich freilich mit einer in ihrer Langsamkeit lähmenden „Träumerei“ von Schumann als Zugabe einen suboptimalen Abgang verschafft.

Einige neue Musiker

Ansonsten ist vom Orchester zu berichten, dass einige neue, auch mehr weibliche Musiker darin auftauchen, wie die ungarische Konzertmeisterin Eva Michai, und man die Instrumentengruppen umplatziert hat. Vielleicht deswegen wollen zunächst die bekannten „Bachiana Brasileiras“ von Villa-Lobos noch nicht so recht in Fluss kommen. Spätestens beim klanglich intensiven Adagio von Samuel Barber aber kann Robert Bokor dann seine bekannten Qualitäten im Umgang mit den Streichern ausspielen und den gewohnten satten Sound abrufen. Das setzt sich auch bei Brittens klassizistischer „Simple Symphony“ fort, die in neuer Form ironisch eine Brücke zu Bach schlägt und mit dem nötigen Augenzwinkern viel Gefallen findet. JU

Nächstes „Arpeggione“-Konzert Hohenems, Rittersaal: 28. April, 20 Uhr – „Italia pur“ (Dirigent Giancarlo De Lorenzo)