Dom als Pflegestätte der Kirchenmusik

Kultur / 27.03.2018 • 19:07 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Der Domchor Feldkirch ließ unter Benjamin Lack aufhorchen. JU
Der Domchor Feldkirch ließ unter Benjamin Lack aufhorchen. JU

Ferdinand Andergassens Missa „Sursum corda“ zum 800-Jahre-Jubiläum.

FELDKIRCH Es war eine ausgezeichnete Idee, sich mit dem Domchor in die festlichen Anlässe zum 800-Jahre-Jubiläum der Stadt einzureihen. So erfuhr man schon bei den Einleitungsworten von Dompfarrer Rudolf Bischof, dass die Kirche St. Nikolaus in ihren Grundmauern so alt ist wie die Stadt selbst und durch Jahrhunderte stets eine Pflegestätte wertvoller Kirchenmusik war. Man hat den Anlass aber auch genutzt, um einer der bekanntesten Messen des Feldkircher Komponisten und langjährigen Domorganisten Ferdinand Andergassen (1882-1964) mit dem Namen „Sursum corda“ die Missa in C des Liechtensteiner Komponisten Josef Gabriel Rheinberger (1839-1901) gegenüberzustellen.

Andergassen gilt aus heutiger Sicht als einer der wichtigsten Wegbereiter neuerer Musik in Vorarlberg, seine Messe op. 97, komponiert 1951, gehört seit Jahrzehnten in der Fassung mit Orgelbegleitung zum Standardrepertoire des Domchors. Hier war nun Gelegenheit, das Werk in Originalversion mit großer Orchesterbesetzung konzertant vorzustellen. Die relative Kürze von 20 Minuten ist wohl der liturgischen Praxis von damals geschuldet. Allerdings würde man sich heute wünschen, Andergassen hätte den einen oder anderen schönen Gedanken noch weiter verfolgt und damit den Eindruck einer gewissen Kurzatmigkeit seiner Messe vermieden. Deren Beliebtheit beruht jedenfalls darauf, wie gut er es verstanden hat, in seiner spätromantisch geprägten Tonsprache mit Elementen der Gregorianik immer wieder aus der reinen Tonalität auszubrechen, ohne diese je ganz zu verlassen.

Sehr gut besetzt

Mit den Anforderungen dieser geschärften Harmonik kommt der 44-köpfige Domchor, der diese Messe erstmals unter Benjamin Lack singt, in Diktion und Sauberkeit gut zurecht. Lack setzt auf Gehalt, tiefe Gläubigkeit und Klarheit des Werks. Das qualitativ sehr gut besetzte Domorchester stellt sich klangvoll in den Dienst der Sache, ebenso wie das Solistenquartett mit der bewährten Birgit Plankel, Sopran, den am Konservatorium zu aufstrebenden Sängern herangebildeten Lea Müller, Alt, und Wojciech Latocha, Bass, und dem sicheren Tenor Stefan Gisinger.

Während Andergassen mit seiner Musik nicht über Vorarlberg hinausgekommen ist und eine, wenn auch hoch geachtete, Lokalgröße blieb, war seinem Kollegen Rheinberger Jahrzehnte zuvor eine weiterreichende Karriere beschieden. Seine Weltoffenheit, den genialen Umgang in der Chorbehandlung, mit dem Kontrapunkt und in der Melodienfindung merkt man auch seiner Missa in C op. 169 von 1893 an, bei der alle Mitwirkenden in reinster Romantik schwelgen dürfen. Als Bindeglied spielt Johannes Hämmerle gewohnt kundig an der Domorgel Bachs Choralbearbeitung „O Lamm Gottes, unschuldig“.

Weitere Aufführungen im Dom: 29. April, 9.30 Uhr, Missa „Sursum Corda“ von Andergassen; 20. Mai, 9.30 Uhr: Missa in D von Philipp M. Schmutzer