Ein Boot wie ein Gebet im Arlberggebiet

04.05.2018 • 20:46 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Größere Projekte in Arbeit: Künstler Flatz. B. Rhomberg
Größere Projekte in Arbeit: Künstler Flatz. B. Rhomberg

Ein Kapellen- und Gedenkstättenentwurf des Künstlers Wolfgang Flatz stößt erneut auf großes Interesse.

Schröcken, Lech Das Dach ist ein Bootskörper aus Holz, die zwölf Ruder, die das Schiff tragen, stehen für eine bedeutende Zahl oder auch die Apostel, und die zehn Tafeln, die den Raum umschließen, symbolisieren nicht nur die Gebote, an diesen Tafeln sollen Zitate aus dem Alten und Neuen Testament zu lesen sein. Im Inneren befindet sich nicht mehr als ein Stein mit einer Feuer- und einer Wasserstelle, die in ihrer Symbolik nicht weiter erläutert zu werden brauchen, stehen die Elemente doch für das Leben an sich.

Es ist bereits Jahre bzw. Jahrzehnte her, dass Wolfgang Flatz (geb. 1952) eine Kapelle für das Arlberggebiet entwarf, die einerseits dem Gedenken der einst dort siedelnden Walser gewidmet war und andererseits einfach dem Gebet, der Einkehr, der Kontemplation dienen sollte. Das Material ist Holz, Stein und ein wenig Metall, die Form schlicht bzw. auch symbolisch aufgeladen, denn das Boot sollte sowohl den Schutz signalisieren, als auch die Arbeit von Handwerkern oder Fischern. Monsignore Pfefferkorn, damals Pfarrer in Levis, fand viel Gefallen am Projekt. Auch überregionale Medien berichteten. Die Kapelle oder Gedenkstätte war auf jeden Fall eine Betrachtung wert, auch wenn die konkrete Realisierung nicht in Angriff genommen wurde. 

Werke in großen Sammlungen

Die Skizze zählt zum OEuvre von Flatz, der bald darauf seine Teilnahme an der Weltkunstausstellung Documenta im Sommer 1992 in Kassel vorbereitete und zahlreiche Performances realisierte, die ein enormes Echo hervorriefen. Mittlerweile wurden mehrere Buchkataloge über Arbeiten von Flatz herausgebracht und in Dornbirn das Flatz-Museum eröffnet, in dem neben wechselnden Ausstellungen einzelne Exponate als Beispiele seiner Werkgruppen präsent sind. Mehrere Arbeiten des Vorarlbergers finden sich in bedeutenden öffentlichen Sammlungen und sind immer wieder in Ausstellungen präsent. So bewies das Joanneum in Graz erst jüngst die hohe Aussagekraft von frühen Videoarbeiten des Künstlers.

Kunstaffine Personen in Lech und Schröcken engagieren sich nun für die Realisierung des Kapellenentwurfs, ein Architekturbüro ist mit der Ausarbeitung der Pläne beschäftigt und hat bezüglich der Ausführbarkeit grünes Licht gegeben, die Finanzierung erfolgt durchgehend privat, die behördlichen Genehmigungen sind noch einzuholen.

Demnächst in Alpbach

Flatz, der vor wenigen Wochen in der Galerie allerArt in der Remise in Bludenz ein Ausstellungsprojekt realisierte, in dem er im wahrsten Sinne des Wortes die kleine Stadt mit der Welt draußen verknüpfte und dabei wiederum auf die Arbeiter – diesmal in der Textilindustrie – Bezug nahm, weilt in nächster Zeit öfter in Österreich. Im Rahmen des Forum Alpbach tritt er als Referent einer Sonderveranstaltung auf, die mit Martin Kusej der künftige Direktor des Wiener Burgtheaters leitet. Dabei geht es auch um den Stellenwert der Kunst im Zusammenhang mit einem neuen Denken und Handeln, mit dem sich der Mensch auseinanderzusetzen hat, um die Herausforderungen, die sich ihm stellen, bewältigen zu können.

Für die Justizanstalt in Garsten,  die im 19. Jahrhundert in einem ehemaligen Chorherrenstift, das ins 11. Jahrhundert zurückreicht, errichtet wurde, hat Flatz ein Kunst-am-Bau-Projekt entworfen, das einiges Aufsehen erregen wird. Während Künstler bislang etwa Konzerte für die Inhaftierten angeboten hatten, beschäftigte sich Flatz in der Tat mit den Begriffen Drinnen und Draußen und schlug die Errichtung eines Bullauges aus Panzerglas vor, das Aus- und Einblicke ermöglicht. Was fast unmöglich schien, soll nun umgesetzt werden.

Ein Entwurf ist wieder ins Blickfeld gerückt: Architektur aus Bibelzitaten von Wolfgang Flatz für das Arlberggebiet. Rendering Strobl Architekten
Ein Entwurf ist wieder ins Blickfeld gerückt: Architektur aus Bibelzitaten von Wolfgang Flatz für das Arlberggebiet. Rendering Strobl Architekten